{"id":159,"date":"2016-10-29T23:51:42","date_gmt":"2016-10-29T21:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/?page_id=159"},"modified":"2019-05-27T15:57:03","modified_gmt":"2019-05-27T13:57:03","slug":"stellungnahme-der-ebs-deutschland-e-v-zu-mikrovermehrten-bambussen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/stellungnahme-der-ebs-deutschland-e-v-zu-mikrovermehrten-bambussen\/","title":{"rendered":"Stellungnahme der EBS-Deutschland e.V. zu mikrovermehrten Bambussen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Synopsis<\/strong><\/p>\n<p>Die EBS-Deutschland e.V. beobachtet seit etlichen Jahren die Mikrovermehrung von Bambus. Sie hat dabei auch die langj\u00e4hrigen Erfahrungen ihrer Mitglieder mit mikrovermehrtem Bambus ber\u00fccksichtigt. Die bis jetzt vorliegenden Erkenntnisse erlauben die folgende vorl\u00e4ufige Stellungnahme.<\/p>\n<p><strong>Mikrovermehrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Mikrovermehrung beim Bambus (oft auch als Meristemkultur bezeichnet) ist eine Methode, um aus Achselknospen von Bambuspflanzen \u00fcber die Gewebekultur (in vitro) in kurzer Zeit sehr gro\u00dfe Mengen an Bambusjungpflanzen zu produzieren. Dazu werden die Achselknospen in Sterilkultur \u00fcberf\u00fchrt und durch Pflanzenhormone (Cytokinine wie 6-Benzylaminopurine) zur Zellteilung angeregt. Die entstehenden in vitro-Pflanzen werden sp\u00e4ter durch Zugabe anderer Pflanzenhormone (Auxine wie NAA oder IBA) zur Wurzelbildung angeregt und anschie\u00dfend wieder auf Erde gebracht. Diese Pflanzen werden dann langsam wieder abgeh\u00e4rtet und eine Zeit lang kultiviert, bevor sie in der Regel noch als recht kleine Pflanzen in den Handel gelangen.<\/p>\n<p><strong>Empfehlung<\/strong><\/p>\n<p>Die EBS Deutschland e.V. r\u00e4t aufgrund ihrer Erfahrungen zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt davon ab, mikrovermehrten Bambus zu verwenden, sofern der arttypische Habitus der Pflanzen erreicht werden soll. Oft haben mikrovermehrte Pflanzen viele artuntypisch d\u00fcnne Halme und sind verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig niedrig und buschig gewachsen. Dieser artuntypische Wuchs h\u00e4lt sich bei leptomorphen Bambussen (z.B. <em>Phyllostachys<\/em>) nach den Erfahrungen einiger Mitglieder der EBS z.T. schon \u00fcber 15 Jahre. Die \u00fcblicherweise zu erwartenden H\u00f6hen und Halmdicken sind bis zum heutigen Tage an allen Standorten, \u00fcber die Erfahrungen vorliegen, noch nicht erreicht worden. F\u00fcr den Verbraucher und Pflanzenfreund w\u00e4re es daher von Vorteil, wenn so vermehrte Pflanzen gekennzeichnet w\u00fcrden, um vor unliebsamen \u00dcberraschungen gesch\u00fctzt zu sein. Leider gibt es diese Kennzeichnung bisher noch nicht. F\u00fcr den Bambuskenner ist es noch relativ leicht, die im Handel befindlichen, nicht konventionell vermehrten Pflanzen zu erkennen. Aber was ist mit dem Erstk\u00e4ufer? Zurzeit werden im Handel sowohl Bambus-Arten oder Sorten, die konventionell als auch durch Mikrovermehrung vermehrt worden sind, angeboten.<\/p>\n<p>Bambusse mit pachymorphen Wuchsverhalten (z.B. <em>Fargesia<\/em>), die mittels Mikrovermehrung propagiert wurden, scheinen dagegen viel eher einen arttypischen Wuchs zu entwickeln. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Zum einen k\u00f6nnen bl\u00fchende Fargesia durch Mikrovermehrung in vegetatives Wachstum zur\u00fcckversetzt werden und fangen dann m\u00f6glicherweise relativ bald wieder an zu bl\u00fchen. Zum anderen ist nicht ausgeschlossen, dass die in vitro-Vermehrung auch von S\u00e4mlingsmaterial ebenfalls zu einer artuntypisch verfr\u00fchten Bl\u00fcte f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die EBS-Deutschland e.V. ist der Auffassung, dass Bambuspflanzen aus Mikrovermehrung noch viele Jahre beobachtet werden m\u00fcssen &#8211; und das geschieht in vielen G\u00e4rten von Mitgliedern der EBS-Deutschland &#8211; bevor ein abschlie\u00dfendes Urteil letztlich m\u00f6glich ist. F\u00fcr die EBS Deutschland e.V. sind aber nach den gegenw\u00e4rtigen Erfahrungen Pflanzen, die aus dieser Vermehrungsart entstammen, nur dann zur Verwendung geeignet, wenn der artuntypische Wuchs bewusst angestrebt wird (zum Beispiel beim Einsatz in kleinen G\u00e4rten). Dies setzt aber eine Information des Erwerbers \u00fcber die abweichenden Wuchseigenschaften voraus. Ohne eine solche Information h\u00e4lt die EBS Deutschland e.V. den gewerblichen Verkauf solcher Pflanzen f\u00fcr eine Irref\u00fchrung der Verbraucher. Allein zum Schutz vor Reklamationen, aber auch zur Erhaltung ihres guten Rufes empfiehlt die EBS-Deutschland e.V. den Fachverb\u00e4nden und den Unternehmen, die mit Pflanzen handeln, auf der Kennzeichnung mikrovermehrter Bambuspflanzen zu bestehen oder sich die konventionelle Vermehrung von den Produzenten oder Zwischenh\u00e4ndlern vertraglich zusichern zu lassen.\u00a0Ohne eine solche Praxis wird dem Ruf der Pflanze Bambus in Zukunft gro\u00dfer Schaden angetan.<\/p>\n<p>Die EBS-Deutschland e.V. weist darauf hin, dass die Forschungen zur Mikrovermehrung sicher weitergehen und der Stand der Technik sich m\u00f6glicherweise verbessern k\u00f6nnte. Eine erneute Bewertung bleibt daher vorbehalten, bis dahin gelten aber die oben skizzierten Empfehlungen.<\/p>\n<p>Juni 2007<\/p>\n<p>Gerhard Sieber (Ehrenmitglied der EBS-Deutschland) und Dr. Steffen Greiner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Synopsis Die EBS-Deutschland e.V. beobachtet seit etlichen Jahren die Mikrovermehrung von Bambus. Sie hat dabei auch die langj\u00e4hrigen Erfahrungen ihrer Mitglieder mit mikrovermehrtem Bambus ber\u00fccksichtigt. Die bis jetzt vorliegenden Erkenntnisse erlauben die folgende vorl\u00e4ufige Stellungnahme. 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