{"id":2171,"date":"2018-02-07T21:11:34","date_gmt":"2018-02-07T20:11:34","guid":{"rendered":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/?page_id=2171"},"modified":"2019-05-27T15:57:03","modified_gmt":"2019-05-27T13:57:03","slug":"auf-ins-bambusparadies-mit-dem-naturforscher-jean-houzeau-de-lehaie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/geschichte-der-einfuehrung-des-bambus-in-europa\/auf-ins-bambusparadies-mit-dem-naturforscher-jean-houzeau-de-lehaie\/","title":{"rendered":"Auf ins Bambusparadies mit dem Naturforscher Jean Houzeau de Lehaie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor: Jacques Chaplain \u22c5 Teil 2<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im zweiten Teil geht es um den Beitrag von Jean Houzeau de Lehaie zum Wissen \u00fcber Bambusse und zu ihrer Kultivierung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2134 size-full\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_015.gif\" alt=\"\" width=\"222\" height=\"185\" \/><\/p>\n<div><strong>Die Einf\u00fchrung von Bambussen in Europa<\/strong><\/div>\n<div>Mit Volldampf voraus Bei der Besch\u00e4ftigung mit der Arbeit von Jean Houzeau de Lehaie stellt man mit \u00dcberraschung fest, dass die Bambuskultur, insbesondere in Belgien, im Jahre 1880 lange nicht so einfach wie heute war. Die ersten Pflanzen waren gerade erst eingef\u00fchrt worden, alles war ganz neu. Wie ist eine solche Versp\u00e4tung gegen\u00fcber anderen exotischen Pflanzen zu erkl\u00e4ren?<\/div>\n<p>Die im 16. Jahrhundert aufgekommene Schw\u00e4rmerei f\u00fcr pflanzliche Exotik in den k\u00f6niglichen G\u00e4rten erlaubte es den Prinzen, \u201ebeim Anblick der Orangenb\u00e4ume und Palmen in Entz\u00fcckung zu geraten\u201c. Die damaligen Baumschulen f\u00fchrten schon zahlreiche exotische Pflanzen ein: Zitrusb\u00e4ume, Baumwollpflanzen, Palmen, Indigopflanzen, Guavenb\u00e4ume, Bananen, Zuckerrohr, aber kein Bambus. Es sind nur merkw\u00fcrdige B\u00e4ume \u201ein Rohrform\u201c, die im Westen eigentlich nicht von Interesse sind f\u00fcr die Nutzung in Landwirtschaft und Gartenbau.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2133\" aria-describedby=\"caption-attachment-2133\" style=\"width: 216px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2133\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_014.png\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_014.png 216w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_014-179x300.png 179w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2133\" class=\"wp-caption-text\">\u201eAlles am Bambus ist merkw\u00fcrdig und interessant\u201c (Jean Houzeau de Lehaie)<\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend des 19. Jahrhunderts wurden diese Gr\u00e4ser von einigen reisenden Botanikern bemerkt, &#8211; wie von dem Deutschen Dietrich Brandis <sup>28<\/sup>, der jahrelang das englische Indien erkundete &#8211; aber lange Zeit fanden sie eher einen Platz in den Herbarien als in den G\u00e4rten! Die G\u00e4rtner verbreiteten die Bambusse nur selten, da die meisten Liebhaber der damaligen G\u00e4rten nach Jean Houzeau de Lehaie sie f\u00fcr eine \u201emehrj\u00e4hrige Pflanze, die aber ihre Wirkung erst nach langer Zeit erh\u00e4lt\u201c hielten. Nicht desto trotz, auch durch die vereinzelte Weitergabe dieser Pflanzen fanden sich bereits Liebhaber <sup>29<\/sup>! Wie die Verbreitung der Palmen mit der Erfindung der Zentralheizung zusammenf\u00e4llt, so verdanken die Bambusse ihre Verbreitung der Erfindung der Dampfmaschine. In der Tat, erst durch die industrielle Revolution gelangten die ersten Bambusse mit Wurzeln nach Europa. So erfahren wir von Jean Houzeau de Lehaie, dass die erste Sorte, die im Westen Wurzel schlug, <em>Phyllostachys nigra<\/em> war. Unser Naturforscher erkl\u00e4rt die sp\u00e4te Einf\u00fchrung der Bambusse nach Europa \u201edurch das seltene Fruchten, die kurze Keimf\u00e4higkeit der meisten Samen und die lange Transportdauer vor der Nutzung der Dampfschiffe <sup>30<\/sup>.\u201c In der Tat, vor der Ausr\u00fcstung von Schiffen mit Dampfmaschinen kann man sich vorstellen, dass die Botaniker und Baumschulg\u00e4rtner niemals auf die Idee gekommen w\u00e4ren, Bambuspflanzen zu importieren, da das Risiko der Austrocknung durch die Dauer des Transports zwischen Fernost und Europa zu gro\u00df war. Man h\u00e4tte volumin\u00f6se Strohh\u00fcllen gebraucht, um kr\u00e4ftigere Pflanzen zu transportieren (Bambushorste von 500 kg bis zur 1 Tonne) und h\u00e4tte au\u00dferdem ausreichende Wasserreserven f\u00fcr die ganze, mehrere Monate lange Reise vorsehen m\u00fcssen. Rein technisch w\u00e4re es m\u00f6glich gewesen, aber der wirtschaftliche Einsatz gegen\u00fcber anderen Pflanzen w\u00e4re sehr gering gewesen. Die Erfindung von Fulton im Jahre 1802 erlaubt entsprechend ausger\u00fcsteten Klippern Windmangel vor\u00fcbergehend durch Maschinenkraft zu ersetzen. Die Technologie der Schiffsschraube und des metallenen Schiffsrumpfes im Jahre 1870 hat zum Beispiel erm\u00f6glicht, S\u00fcdchina (Cochinchine) und Marseille in Rekordzeit zu verbinden. Zur Zeit der Klipper konnte Jean die Geschichte der ersten Einf\u00fchrungen verfolgen. <em>Arundinaria gracilis (Drepanostachyum falcatum), Bambusa arundinacea, B. Thouarsi (B.vulgaris), B. aurea (Ph. <\/em><em>aurea) <\/em>aus Indien und<em> Ph. Mitis (Ph. viridis)<\/em> aus China wurden im Jahre 1840 von M. Denis nach Hy\u00e8re importiert. <em>Ph. Nigra<\/em> wurde 1846 vom Vizeadmiral C\u00e9cile aus China nach Frankreich (wieder?) eingef\u00fchrt. Dieser brachte im selben Jahr auch Ph. viridiglaucescens aus Nord China nach Frankreich. Die ersten <em>Arundinaria Falconeri (Drepanostachyum f<\/em>.) wurden ein Jahr sp\u00e4ter aus Nordindien importiert und sehr schnell von dem ber\u00fchmten belgischen Baumschulg\u00e4rtner Van Houtte auf den Markt gebracht. Es ist der Botaniker Siebold, der den \u201e<em>Arundinaria japonica<\/em>\u201c (<em>Pseudosasa j<\/em>.) 1850 einf\u00fchrte. Nach einer Unterbrechung von etwa 12 Jahren erm\u00f6glichte, dank Herrn Simon, dem franz\u00f6sischen Konsul in China, eine neue Importwelle die Entdeckung und die Pflanzung von <em>Arundinaria simonii <\/em>(1862),<em> \u201eArundinaria fortunei <\/em>(1863),<em> Ph. flexuosa <\/em>(1864),<em> Ph. sulfurea (Ph. bambusoides \u201eHolochrysa\u201c<\/em>) in Frankreich und Belgien, und ein Jahr sp\u00e4ter, 1866, importierte der Admiral du Quilio aus Nord-Japan <em>Ph. bambusoides<\/em>, den er Herrn Auguste Rivi\u00e8re anvertraute, dem Direktor des Versuchsgarten in Hamma (Algerien). Diese erste Periode geht mit dem Import von <em>Ph. violascens <\/em>aus China zu Ende.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2135\" aria-describedby=\"caption-attachment-2135\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2135\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_016.png\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_016.png 448w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_016-300x163.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2135\" class=\"wp-caption-text\">Franz\u00f6sisches Dampfschiff nach S\u00fcd-China verl\u00e4sst den Hafen von Marseille. Illustration vom 1.11.1862.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zur Zeit der \u201eDampfer mit Schiffsschrauben\u201c konnten die Bambusliebhaber viele verschiedene Sorten einf\u00fchren. Durch seine Lekt\u00fcren und seinen Schriftwechsel wird diese Zeit von Jean gut festgehalten. Der florentinische Bankier Fenzi sollte \u201e<em>Bambusa quadrangularis (chimonobambusa q.<\/em>) und <em>Ph. Nidulari<\/em> einf\u00fchren. Noch vor 1877 z\u00e4hlen <em>A. aureostriata, B. ragamowskii (A.R., B. spinosa (B. arundinacea), Dendrocalamus latifolius <\/em>und<em> D. strictus<\/em> zum Bestand des Arboretums von Segrez (Seine-et-Oise). In den 1870-er Jahren f\u00fchrt der ber\u00fchmte Z\u00fcchter von Nymphea und gr\u00f6\u00dfte Bambusimporteur Europas <sup>31<\/sup>, Joseph Bory Latour-Marliac, die <em>Phyllostachys-<\/em>Arten <em>boryana, castilloni, marliacea<\/em> <sup>32<\/sup>, sowie <em>A. Chino \u201eLaydekeri\u201c, fastuosa (Semiarundinara f.) <\/em>und <em>B. alphonse-karri<\/em> ein. Im gleichen Jahrzehnt bringt Dr. H\u00e9non aus Genf nach einem langen Aufenthalt in Japan <sup>33<\/sup> <em>Ph. pubescens (Ph. edulis) <\/em>mit, der von Jean Houzeau de Lehaie vorbildlich im ersten Leitartikel seines Heftes beschrieben wird (wir werden sp\u00e4ter n\u00e4her darauf eingehen), sowie <em>Ph. aurea<\/em> und <em>bambusoides<\/em>, und <em>B. nana (B. multiplex)<\/em>. Der <em>Ph. puberula, der Ph. henonis (Ph. nigra gr. henonis)<\/em> genannt wird, wird Gegenstand einer Meldung seines Importeurs in der Zeitschrift Bambou sein: Es sei die einzige Sorte, die sich in der Schweiz erhalten und verbreitet habe. Dr. Ernst Pfitzer, Professor f\u00fcr Botanik an der Universit\u00e4t von Heidelberg, und auch Freund von Jean Houzeau de Lehaie, findet im Jahr 1902 in einer aus Japan eingetroffenen Partie Bambus, die in Hamburg verkauft wurde, einen Kultivar von <em>Ph. bambusoides<\/em> mit vielfarbigen, Bl\u00e4ttern und kr\u00e4ftig gelben Halmen. Er bekommt den Namen <em>Ph. bambusoides \u201eCastilloni\u201c<\/em>. Damals wusste Jean nicht, dass diese Mutation schon zweimal zuvor nach Europa eingef\u00fchrt worden war. Im Gr\u00fcndungsjahr seiner Fachzeitschrift l\u00e4sst Jean Houzeau aus Japan einen panaschierten Kultivar von <em>A. japonica, Sasa borealis<\/em>, einen Kultivar von <em>Ph. <\/em><em>puberula<\/em> mit gestreiften Halmen und eine Sorte des <em>Ph. puberula<\/em> mit engstehenden Halmen und braunen Punkten, in Japan Han-chiku <sup>34<\/sup> genannt (es handelt sich wahrscheinlich um den <em>Ph. henonis cv \u201eHanchiku<\/em>\u201c) kommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr unseren Naturforscher hat die Entwicklung der Verkehrswege und die Geschwindigkeitserh\u00f6hung der Transportmittel nicht nur die Anzahl der Taxa* erh\u00f6ht und ihre Einf\u00fchrung erleichtert, sondern es konnten auch widerstandsf\u00e4higere Pflanzen eingef\u00fchrt werden, da es ab jetzt leichter war, Bambusse einzuf\u00fchren, die an lange und harte Winter und an kurze Sommer mit kalten N\u00e4chten und warmen Tagen gew\u00f6hnt waren. Vorher konnte man lediglich Pflanzen in der N\u00e4he von Seeh\u00e4fen sammeln, die ein mildes Klima genossen. Seiner Meinung nach er\u00f6ffneten sich f\u00fcr die Bambusliebhaber nun neue Perspektiven: so standen ihnen neue Pflanzen aus China, der Mandschurei, Korea und Japan zur Verf\u00fcgung, die widerstandsf\u00e4higer waren und besser geeignet f\u00fcr Standorte im Binnenland von Westeuropa <sup>35<\/sup>.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">* als Taxon (das; Plural: Taxa) bezeichnet man in der Biologie eine als systematische Einheit erkannte Gruppe von Lebewesen. Meist dr\u00fcckt sich diese Systematik auch durch einen eigenen Namen f\u00fcr diese Gruppe aus. Die wissenschaftliche Benennung von Taxa ist Aufgabe der Taxonomie, die sich wiederum auf die Ergebnisse der biologischen Systematik st\u00fctzt. Unterschiedliche systematische Vorstellungen f\u00fchren zu unterschiedlichen taxonomischen Ans\u00e4tzen und damit zu alternativen Ergebnissen bei der wissenschaftlichen Benennung von Taxa. Aus traditionellen Gr\u00fcnden erhalten diese bis heute an die lateinische oder griechische Sprache angelehnte Namen. Der Name Taxon selbst leitet sich aus dem Griechischen tattein (tattein) f\u00fcr \u201eordnen\u201c ab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2136\" aria-describedby=\"caption-attachment-2136\" style=\"width: 681px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2136\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_018.png\" alt=\"\" width=\"681\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_018.png 681w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_018-300x162.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2136\" class=\"wp-caption-text\">Bambus-Verladung am Bahnhof von Anduze 1905. Postkarte aus der Sammlung von Gilbert Leffond.<\/figcaption><\/figure>\n<div><strong>Reise, Reise<\/strong><\/div>\n<p>Anfang 1905 erhielt Jean 82 Bambusse aus Japan. Die Reise dauerte nur 52 Tage und war erfolgreich dank einer besonders sorgf\u00e4ltigen Verpackung (jede Pflanze wurde mit gut befeuchtetem \u201eSphagnum\u201c eingewickelt und mit B\u00e4ndern aus Reisstroh zusammengebunden, der Wurzelballen mit Reisstroh eingepackt und in Kisten gelagert\u2026): 75 Setzlinge haben so \u00fcberlebt und konnten in der Ermitage wachsen. Im April des gleichen Jahres transportierte J. Houzeau de Lehaie auf dem Landweg bei regnerischem Wetter eine Ladung von 8 Tonnen aus Prafrance. Die Reise dauerte nur eine Woche f\u00fcr die Strecke von 1.100 km. Einige Bambusse ma\u00dfen mehr als f\u00fcnfzehn Meter und das Ergebnis war viel besser als im Vorjahr. Mit dem Zug hatte man 25 Tage gebraucht und Jean bedauerte, dass die Eisenbahngesellschaften nicht die gleiche F\u00fcrsorge wie f\u00fcr die Tauben gezeigt h\u00e4tten \u201e\u2026und einige Bambusse kamen aufgrund der Trockenheit total verdurstet an\u2026\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_2137\" aria-describedby=\"caption-attachment-2137\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2137\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_020.png\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_020.png 448w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_020-300x287.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2137\" class=\"wp-caption-text\">Besuch seines Freundes, Landsmannes und gro\u00dfen Bambusliebhabers A. Drion aus La Marlagne, N\u00e4he Gand. Aufgenommen von Jean am 10. Mai 1905. Man kann sich vorstellen, welche Freude die beiden angesichts der drei dicken Halme von Phyllostachys edulis \u2013 aus Prafrance geliefert und gepflanzt \u2013 empfanden.<\/figcaption><\/figure>\n<div><strong>\u201eDie offizielle Zeitung f\u00fcr Bambusliebhaber\u201c<\/strong><\/div>\n<div>Mit seinem eigenen Geld und h\u00f6chstwahrscheinlich auch mit dem Einverst\u00e4ndnis und der Unterst\u00fctzung seines Vaters publizierte unser Botaniker die erste Ausgabe der Zeitschrift einem echten <strong>\u201eVade Mecum und Vermittler <\/strong><strong>f\u00fcr Bambusfreunde\u201c<\/strong>. Die Pflanze, die Gegenstand von so viel Faszination, Recherchen und Kultivierungs-Experimenten war, gab ihr nat\u00fcrlich ihren Namen: <strong>\u201eLe BAMBOU\u201c \u2013 son \u00e9tude, sa culture, son emploi\u201c<\/strong> (Der Bambus &#8211; Studium, Kultur und Nutzung). Sie erscheint am 15. Januar 1906. Vor mehr als hundert Jahren! Zweifellos ist es seine gro\u00dfe Begeisterung, die Jean zur Herausgabe einer neuen, unabh\u00e4ngigen Zeitschrift bewegt, zus\u00e4tzlich zu den bestehenden Gartenzeitungen. Er war der Meinung, dass eine spezielle Rubrik in den bestehenden Publikationen den Bambus nicht gen\u00fcgend w\u00fcrdigen k\u00f6nnte und die Wissenschaftler und Bambusliebhaber in ganz Europa und der ganzen Welt nicht erreicht werden k\u00f6nnten. Das Universalismus und die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Unternehmens sind vom gleichen Idealismus gen\u00e4hrt wie die seines Onkels Charles, dem Astronomen und Befreier der Schwarzen in Amerika. Es war geplant, in der Zeitschrift die Artikel in Latein, Englisch, Deutsch, Italienisch und Esperanto <sup>36<\/sup> zu ver\u00f6ffentlichen. In dieser polyglotten Einf\u00fchrung erkl\u00e4rt der Chefredakteur genau, dass jede Ausgabe einen technischen und einen praktischen Teil beinhalten wird. Zum einen soll die Ver\u00f6ffentlichung dem Austausch unter Botanikern dienen, deren Interesse sich auf die Erg\u00e4nzung der Klassifizierung der Bambusse, die Bibliographie und die Kurzfassung bereits erschienener Berichte in Fachzeitschriften richtet. Zum anderen richtet sie sich besonders an Liebhaber und Gartenbau-Fachleute: Jean hat den gro\u00dfen Wunsch, seine Kenntnisse weiter zu geben, die er seit 1883 durch Beobachtungen der Entwicklung von etwa 60 Arten und Sorten von Bambussen gesammelt hat. Unser Autor hat ein Diskussionsforum und eine Tauschb\u00f6rse im Sinn. Lange bevor \u201edas www\u201c erfunden wurde und darin eine F\u00fclle von Foren, Wikis und Blogs erbl\u00fchen, stellte sich Jean schon die Entwicklung von Gemeinschaften zum Austausch von Wissen und Experimenten in Sachen D\u00fcngung vor und malte sich die Kontaktaufnahme der Abonnenten, untereinander und mit dem Netzwerk der Korrespondenten der Zeitschrift, aus. Etwa 50 Freunde des Bambusses aus 12 verschiedenen Nationalit\u00e4ten haben \u201ebeherzt, kostenlos und direkt\u201c an Jeans Werk mitgearbeitet. Etwas von seiner \u201eVaterschaft\u201c lebt wahrscheinlich noch in den Bambusvereinen in aller Welt weiter! Das Abenteuer der \u201eOffiziellen Zeitung der Bambusliebhaber\u201c &#8211; der Ausdruck stammt von seinem Freund Louis de Vilmorin &#8211; wird genau zweieinhalb Jahre dauern. Insgesamt waren es 275 Seiten im Format 14,5 x 24,5 cm. Zehn Beitr\u00e4ge in sechs Ausgaben. Mit der letzten, erschienen am 30 Juni 1908, beschenkt er die Leser mit ganz besonderen Inhalten. Diese Ausgabe gibt einen komplett handgeschriebenen Bericht wieder, begleitet von 20 Bildern, der 1907 auch an die Internationale Konferenz f\u00fcr Pflanzenakklimatisierung (Conf\u00e9rence internationale d\u2019Acclimation des Plantes, New York) geschickt wurde. Das Manuskript und die Fotos sind im Besitz der Smithsonian-Stiftung. Die acht Kapitel \u00fcber \u201edie Einf\u00fchrung, die Akklimatisierung und den Anbau von Bambussen im Westen der alten Welt, insbesondere in Belgien\u201c fasst alle Experimente, Beobachtungen und Studien von Jean Houzeau de Lehaie zusammen. <sup>37<\/sup><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_2138\" aria-describedby=\"caption-attachment-2138\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2138\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Image_022.gif\" alt=\"\" width=\"452\" height=\"749\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2138\" class=\"wp-caption-text\">Die letzte Ausgabe des Bulletins: Eine wahre Bl\u00fctenlese.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Die Fachzeitschrift st\u00f6\u00dft an ihre Grenzen <\/strong><\/div>\n<div>Bei n\u00e4herer Betrachtung der Erscheinungsdaten fallen die Schwachstellen des Unternehmens von Jean Houzeau auf. Insgesamt hat er in zweieinhalb Jahren sechs Hefte produziert, wovon die ersten drei Exemplare innerhalb von nur drei Monaten erschienen sind! Das Jahresabonnement betr\u00e4gt sechs Belgische Francs f\u00fcr die \u201eUnion postale\u201c: Das erste Jahr haben die Abonnenten vier Hefte mit sechs Beitr\u00e4gen erhalten; das zweite und das dritte Heft erschienen mit nur jeweils zwei Beitr\u00e4gen. Die entstandenen Schwierigkeiten haben wahrscheinlich mehrere Ursachen: Da ist der auf Fachleute oder Liebhaber von Bambussen sehr eingeschr\u00e4nkte Leserkreis in Europa \u2013 zur Zeit der \u201eBelle Epoque\u201c sind das nur sehr wenige! Es gibt nat\u00fcrlich noch die Gesch\u00e4ftspartner von Jean Houzeau, die Gartenbaugesellschaften, die Inhaber von Bambusparks und -G\u00e4rten. Etwa 500 Exemplare der Fachzeitschrift werden wohl gedruckt, da 400 Exemplare der 6. Nummer an Abonnenten aus 15 verschiedenen Nationalit\u00e4ten verteilt wurden. Die Werbung zur Finanzierung eines Teiles der Zeitschrift ist in Wahrheit unbedeutend. Es gibt nur wenige Werbekunden (der Gartenbaubetrieb in Prafance, vier oder f\u00fcnf franz\u00f6sische und englische Gartenbauvereine sowie ein Buchh\u00e4ndler); f\u00fcr 25 Francs pro Seite f\u00fcr eine Jahresanzeige sind die Werbeeinnahmen sehr gering (gerade einmal 1% der Einnahmen von Abonnenten). In der Tat hatte unser Botaniker keinen Sinn f\u00fcr\u2019s Gesch\u00e4ft! Im Juni 1907 kassiert er nicht einmal die Betr\u00e4ge der Abonnements und empfindet den Gedanken an Zahlungsaufforderungen an die Abonnenten wie \u201eein Messer in der Wunde\u201c! Ein Jahr zuvor hat er sich beklagt, dass einige Abonnenten ihre Abonnements nicht bezahlten. Und schlie\u00dflich war er von A bis Z allein verantwortlich f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung der Zeitschrift. Er hat keinen Korrekturleser (au\u00dfer f\u00fcr die Endkorrektur, die wahrscheinlich sein Vater Auguste erledigt hat). Er hat zwar einen \u201eAngestellten aus seinem Werk\u201c, den er aber k\u00fcndigen musste, da dieser \u201eeine geschickte Sabotage\u201c angefangen hatte \u2013 so erkl\u00e4rt er die Versp\u00e4tung der Ver\u00f6ffentlichungen. Au\u00dferdem stellt sich die Frage, ob Jean Houzeau seinen Leserkreis ber\u00fccksichtigt hat: er hat ein Zehntel seiner Seiten verwendet, um \u00fcber die G\u00e4rtner, die Oberg\u00e4rtner und die Gartenschule der Region \u201eMontois\u201c zu schimpfen. Er hat mehrere Artikel darauf verwendet &#8211; und insbesondere der Letzte ist gravierend, (er ist auf der wichtigsten Seite der Zeitschrift) \u2013 in seinen Texten den belgischen Staat scharf anzugreifen (der nichts getan hat, um das wundersch\u00f6ne Herbarium des Herrn Brandis in Belgien zu erhalten), und kritisiert eine neue, vom Landwirtschaftministerium gegr\u00fcndete Gartengesellschaft, sowie die Beamten!<\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/geschichte-der-einfuehrung-des-bambus-in-europa\/jean-houzeau-de-lehaie-pionier-der-einfuehrung-des-bambus-in-europa\/\"><strong>Teil 1: <\/strong><\/a><strong><a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/geschichte-der-einfuehrung-des-bambus-in-europa\/jean-houzeau-de-lehaie-pionier-der-einfuehrung-des-bambus-in-europa\/\"> Jean Houzeau de Lehaie &#8211; Pionier der Einf\u00fchrung des Bambus in Europa \u22c5<\/a>Jaques Chaplain (Autor) \u22c5 Monique Chaplain (\u00dcbersetzung)<\/strong><\/div>\n<div><strong>Teil 2: Auf ins Bambusparadies mit dem Naturforscher Jean Houzeau de Lehaie\u00a0\u22c5 Jacques Chaplain (Autor) \u00b7 Florence Tribon &amp; Thomas Gr\u00fcnewald (\u00dcbersetzung)<br \/>\n<\/strong><\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/geschichte-der-einfuehrung-des-bambus-in-europa\/der-beitrag-von-jean-houzeau-de-lehaie-zu-botanischen-studien-ueber-bambus\/\"><strong>Teil 3: Der Beitrag von Jean Houzeau de Lehaie <\/strong><strong>zu botanischen Studien \u00fcber Bambus\u00a0\u22c5 Jacques Chaplain (Autor) \u00b7 Ther\u00e8se Bour &amp; Bill Hoag (\u00dcbersetzung)<\/strong><\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2126\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Image_036.jpg\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"96\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fu\u00dfnoten<\/span><\/p>\n<p>28 J. Houzeau de Lehaie bewundert diesen Botaniker und Reisenden sehr, vgl. Le Bambou, Bulletin p\u00e9riodique Nr. 5-6, 15. Dezember 1906, S. 164-165.<\/p>\n<p>29 Le Bambou, Bulletin p\u00e9riodique, Nr. 7-8, 30. Juni 1907, S. 223.<\/p>\n<p>30 Le Bambou, Bulletin p\u00e9riodique, Nr. 9-10, 30. Juni 1908, S. 229.<\/p>\n<p>31 FREEMAN-MITFORD, A. B., The Bamboo garden, Macmillan ed. London, 1096, S. VIII (preface).<\/p>\n<p>32 DAVEAU, M. et DEMOLY, J.-P., Joseph Bory LATOUR-MARLIAC, Bambou, Nr. 48, Juli 2006, S. 21.<\/p>\n<p>33 Dr. Henon, \u201eguter Botaniker und f\u00e4higer G\u00e4rtner\u201c ist wie sein Vater einer der zehn Abgeordneten der liberalen Opposition in Paris unter der Herrschaft Napoleons III. Er taucht f\u00fcr vier Jahre unter, nachdem er im Lyon der Kommunarden praktiziert hatte, und arbeitet in Japan als Arzt bei einer Minengesellschaft. Als er seine R\u00fcckkehr nach Europa vorbereitet und seine Pflanzen verpackt, machen ihn seine Sch\u00fcler, die \u201eedlen Satzumas\u201c, aufmerksam: \u201eMein Herr, Sie haben noch nicht unseren Bergbambus, es ist vielleicht die einzige gut winterharte Art\u201c. Das ist die Art, die sp\u00e4ter den Namen \u201eHenonis\u201c tragen soll. Dr. FOREL, Le Bambou, Bulletin p\u00e9riodique, Nr. 3-4, 3 April 1906, SS. 102-104.<\/p>\n<p>34 SATOW, E., The cultivation of bamboos in Japan, The Asiatic Society of Japan, 1899, S. 61 et sq. Beschreibung von madara-dake oder han-chiku).<\/p>\n<p>35 Le Bambou, Bulletin p\u00e9riodique, Nr. 9-10, 30. Juni 1908, S. 232.<\/p>\n<p>36 Ingesamt wurde aber nur Jeans Vorwort ins Englische und ins Deutsche \u00fcbersetzt. Alle \u00fcbrigen Artikel erscheinen in Franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p>37 WOODS, Tom, Les pionniers du bambou, Europ\u00e4ische Bambusgesellschaft, S. 13 und Newsletter Belgian Bamboo Society \u2013 Jaargang 2 \u2013 Nr. 7, S. 18.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Jacques Chaplain \u22c5 Teil 2 Im zweiten Teil geht es um den Beitrag von Jean Houzeau de Lehaie zum Wissen \u00fcber Bambusse und zu ihrer Kultivierung. Die Einf\u00fchrung von Bambussen in Europa Mit Volldampf voraus Bei der Besch\u00e4ftigung mit der Arbeit von Jean Houzeau de Lehaie stellt man mit \u00dcberraschung fest, dass die Bambuskultur, &hellip; <a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/geschichte-der-einfuehrung-des-bambus-in-europa\/auf-ins-bambusparadies-mit-dem-naturforscher-jean-houzeau-de-lehaie\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Auf ins Bambusparadies mit dem Naturforscher Jean Houzeau de Lehaie<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"parent":2159,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"iawp_total_views":86,"footnotes":""},"class_list":["post-2171","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2171","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2171"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2171\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2218,"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2171\/revisions\/2218"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2171"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}