{"id":2696,"date":"2019-10-18T13:23:06","date_gmt":"2019-10-18T11:23:06","guid":{"rendered":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/?page_id=2696"},"modified":"2019-10-18T14:19:48","modified_gmt":"2019-10-18T12:19:48","slug":"fargesia-angustissima-bambus-des-jahres-2020","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/beispiel-seite\/bambus-des-jahres\/bambus-des-jahres-portraits\/fargesia-angustissima-bambus-des-jahres-2020\/","title":{"rendered":"Fargesia angustissima, Bambus des Jahres 2020"},"content":{"rendered":"<h6><strong>Dr. Steffen Greiner<\/strong><\/h6>\n<p>Die EBS-D hat &#8211; mittlerweile zum 17. Mal &#8211; den Bambus des Jahres gew\u00e4hlt, diesmal eine Fargesia ohne Ausbreitungsdrang mit sehr feinem Laub, die auch zur K\u00fcbelhaltung geeignet ist. Die Achillesferse dieser Pflanze ist die begrenzte Winterh\u00e4rte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2689\" aria-describedby=\"caption-attachment-2689\" style=\"width: 3096px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2689 size-full\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-1-geringe-Ausbreitung-Greiner-Steffen.jpg\" alt=\"\" width=\"3096\" height=\"4128\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-1-geringe-Ausbreitung-Greiner-Steffen.jpg 3096w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-1-geringe-Ausbreitung-Greiner-Steffen-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-1-geringe-Ausbreitung-Greiner-Steffen-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 3096px) 100vw, 3096px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2689\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Fargesia angustissima im Botanischen Garten Heidelberg. Die Pflanze ist 5,5 m hoch und seit 15 Jahren am Standort (Foto: Dr. Steffen Greiner)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Art <strong><em>Fargesia angustissima<\/em> <\/strong>wurde erst 1985 beschrieben [1]. Gelegentlich wird sie auch als Unterart (ssp.) von <em>Fargesia ferax<\/em> [2] gesehen [3]. Der nat\u00fcrliche Standort dieser Art liegt in China, Zentral- und West-Sichuan, im Gebirge etwa 100-150 km nordwestlich der Bezirkshauptstadt Chengdu auf einer H\u00f6he von 800-1700 m (Wolong\/Pingwu) in der gleichen Region wie <em>Fargesia robusta<\/em>, aber auf einer geringeren H\u00f6he, was auch die geringere Winterh\u00e4rte erkl\u00e4rt. Das Klima ist gepr\u00e4gt durch starke Sommerniederschl\u00e4ge sowie trockene und k\u00fchle Winter. Im Sommer werden in dieser H\u00f6henlage oft \u00fcber 30\u00b0C erreicht, w\u00e4hrend im Winter meist nur leichte Fr\u00f6ste bis etwa -7\u00b0C verzeichnet werden. Die Stadt Pingwu hat beispielsweise eine Jahresdurchschnittstemperatur von 14,7\u00b0C und damit ist es dort deutlich w\u00e4rmer als in Deutschland, wo in den warmen Regionen Durchschnittstemperaturen von knapp \u00fcber 10\u00b0C erreicht werden. Verwunderlich ist das trotz der H\u00f6henlage nicht, liegt der Naturstandort vom Breitengrad her doch auf der H\u00f6he Nordafrikas! Die \u00fcbrige Vegetation am nat\u00fcrlichen Standort ist gepr\u00e4gt von Eichen (<em>Quercus<\/em>), Berberitzen (<em>Berberis<\/em>), Walnuss (<em>Juglans<\/em>), Fieberstr\u00e4uchern (<em>Lindera<\/em>), Heckenkirschen (<em>Lonicera<\/em>), Sumachgew\u00e4chsen (<em>Rhus<\/em>), Kreuzdorn (<em>Rhamnus<\/em>) und verschiedenen <em>Rubus<\/em> [4]. In Pingwu leben auch etwa 280 Pandas und damit etwa 1\/7 der weltweiten Gesamtpopulation. <em>Fargesia angustissima<\/em> ist eine wichtige Futterpflanze f\u00fcr diese seltenen Tiere.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2690\" aria-describedby=\"caption-attachment-2690\" style=\"width: 2848px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2690 size-full\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-2-Halmabschnitt-mit-Nodium-Au\u00dfem-Ute.jpg\" alt=\"\" width=\"2848\" height=\"4272\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-2-Halmabschnitt-mit-Nodium-Au\u00dfem-Ute.jpg 2848w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-2-Halmabschnitt-mit-Nodium-Au\u00dfem-Ute-200x300.jpg 200w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-2-Halmabschnitt-mit-Nodium-Au\u00dfem-Ute-768x1152.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-2-Halmabschnitt-mit-Nodium-Au\u00dfem-Ute-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"auto, (max-width: 2848px) 100vw, 2848px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2690\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Details der Halmscheide eines jungen Halms (Foto: Ute Au\u00dfem)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eingef\u00fchrt in die USA wurde die Pflanze bereits 1989 von James W. Waddick aus Wolong von 1200 m H\u00f6he. Nach Europa eingef\u00fchrt haben die Art 1997 Jos van der Palen und Hans Prins (NL) aus Pingwu (gesammelt durch Ding Xingcui) [5]. Es gab zwei leicht unterschiedliche Pflanzen, von denen eine l\u00e4ngere Zeit <em>in vitro<\/em> vermehrt und unter dem Markennamen \u201eBamboo Select\u201c vertrieben wurde. Unterdessen ist die Pflanze aber nur noch aus klassischer Vermehrung durch Teilung im Handel. Auch Experten k\u00f6nnen die Klone nicht zuverl\u00e4ssig auseinanderhalten, weshalb auch wir hier im Folgenden nicht differenzieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2691\" aria-describedby=\"caption-attachment-2691\" style=\"width: 3000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2691 size-full\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-3-Halme-Juergen-Schmitz.jpg\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"4000\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-3-Halme-Juergen-Schmitz.jpg 3000w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-3-Halme-Juergen-Schmitz-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-3-Halme-Juergen-Schmitz-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 3000px) 100vw, 3000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2691\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Farbenfroher Neuaustrieb und weissliche Bemehlung der Halme bei Fargesia angustissima (Foto: J\u00fcrgen Schmitz)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Fargesia angustissima<\/em> w\u00e4chst horstig (durch pachymorphe Rhizome) und hat daher nur einen geringen Ausbreitungsdrang. Selbst im Vergleich mit anderen Fargesien ist die Ausbreitung extrem gering (Abbildung 1). Das liegt daran, dass die Rhizomh\u00e4lse, die den Halmabstand bei horstig wachsenden Bambussen bestimmen, bei dieser Art nur 1-3 cm lang sind. Dadurch stehen die Halme i.d.R. so eng, dass man keinen Finger mehr zwischen die einzelnen Halme bekommt und selbst 10 Jahre alte Pflanzen an der Basis kaum breiter als 50 cm sind. Es d\u00fcrfte von allen verf\u00fcgbaren Bambussen die am strengsten horstig wachsende Pflanze sein. Aber nat\u00fcrlich ben\u00f6tigt die Pflanze nach einiger Zeit doch etwas mehr Platz, weil die anfangs sehr aufrecht wachsenden Halme nach einigen Jahren aufgrund der Blattmasse deutlich \u00fcberh\u00e4ngen. Sollte dies nicht erw\u00fcnscht sein, so kann man dem durch entfernen oder eink\u00fcrzen \u00e4lterer Halme oder durch zusammenbinden Einhalt gebieten. Die Pflanze kann nach einigen Jahren 4-7 m hoch werden und erreicht dabei Halmdurchmesser bis 2 cm. Die Halmabschnitte zwischen den Knoten (Internodien) sind 28\u201335 cm lang und die Halme anfangs wei\u00df bemehlt mit deutlicher Riffelung in L\u00e4ngsrichtung (Abbildungen 2 und 3). Die Halmscheiden sind papierartig bis ledrig, haben sehr kleine braune Punkte und Haare und haften lange an (Abbildung 4). Auffallend und ungew\u00f6hnlich ist, dass diese viel l\u00e4nger sind als ein einzelnes Internodium, so dass sie teilweise \u00fcberlappen. An jedem Knoten entwickeln sich mit dem Abfallen der Halmscheiden 5-10 Seitenzweige. Besonders attraktiv sind die sehr kleinen Bl\u00e4tter, diese sind lanzettlich, mit 3-7 mm Breite sehr schmal und auch nur etwa 3,5 \u2013 9 cm lang [6]. Auch der Artname \u201eangustissima\u201c, abgeleitet vom lateinischen &#8222;angustus&#8220;, was soviel wie eng oder schmal hei\u00dft, bezieht sich vermutlich auf die Bl\u00e4tter. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re, dass damit Bezug auf die bereits erw\u00e4hnte sehr enge Stellung der Halme genommen wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2692\" aria-describedby=\"caption-attachment-2692\" style=\"width: 991px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2692 size-full\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-4-typische-Halmscheidebl\u00e4tter-Au\u00dfem-Ute.jpg\" alt=\"\" width=\"991\" height=\"1319\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-4-typische-Halmscheidebl\u00e4tter-Au\u00dfem-Ute.jpg 991w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-4-typische-Halmscheidebl\u00e4tter-Au\u00dfem-Ute-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-4-typische-Halmscheidebl\u00e4tter-Au\u00dfem-Ute-768x1022.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-4-typische-Halmscheidebl\u00e4tter-Au\u00dfem-Ute-769x1024.jpg 769w\" sizes=\"auto, (max-width: 991px) 100vw, 991px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2692\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 4: Die Halmscheiden sind papierartig bis ledrig, haben sehr kleine braune Punkte und Haare und haften lange an (Foto: Ute Au\u00dfem)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie die Herkunft der Pflanze schon vermuten l\u00e4sst, ist die Winterh\u00e4rte leider nicht \u00fcberragend. Sie betr\u00e4gt etwa -12 bis maximal -15\u00b0C. Unter ung\u00fcnstigen Bedingungen kann das Laub aber auch schon bei -10\u00b0C Sch\u00e4den davontragen, welche sich dann aber im Fr\u00fchjahr rasch auswachsen. Bei unter -15\u00b0C erfolgt i.d.R. oberirdischer Totalverlust und die Pflanze muss sich aus dem Rhizom neu aufbauen. Durch die begrenzte Winterh\u00e4rte ist die Pflanze leider nicht f\u00fcr alle Gegenden zur Freilandkultur geeignet. Zum Gl\u00fcck ist sie aber &#8211; auch im Vergleich zu anderen Fargesien &#8211; sehr gut zur Topfkultur geeignet und w\u00e4chst auch in K\u00fcbeln gut, dann muss die \u00dcberwinterung allerdings so erfolgen, dass der Topf nicht durchfriert und die Temperatur vorzugsweise nicht unter -8\u00b0C f\u00e4llt. Optimal w\u00e4re eine \u00dcberwinterung k\u00fchl und frostfrei. Ausgepflanzt werden sonnige Standorte bei ausreichend Feuchtigkeit sehr gut vertragen, auch halbschattige Standorte sind gut geeignet. Die Pflanze eignet sich hervorragend zur Einzelstellung im Garten als Solit\u00e4r. In Topfkultur ist sie sehr attraktiv beispielsweise zur Terrassenbegr\u00fcnung (Abbildung 5).<\/p>\n<figure id=\"attachment_2693\" aria-describedby=\"caption-attachment-2693\" style=\"width: 4000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2693 size-full\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-5-Topfkultur-Au\u00dfem-Ute.jpg\" alt=\"\" width=\"4000\" height=\"3000\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-5-Topfkultur-Au\u00dfem-Ute.jpg 4000w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-5-Topfkultur-Au\u00dfem-Ute-300x225.jpg 300w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-5-Topfkultur-Au\u00dfem-Ute-768x576.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Abb-5-Topfkultur-Au\u00dfem-Ute-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 4000px) 100vw, 4000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2693\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 5: Fargesia angustissima als Topfpflanze (links) zur Terrassenbegr\u00fcnung (Foto: Ute Au\u00dfem)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur und Quellen: <\/strong><\/p>\n<p>[1] <em>Fargesia angustissima<\/em> T. P. Yi, J. Bamboo Res. 4(2): 21. (1985)<\/p>\n<p>[2] <em>Fargesia ferax<\/em> (Keng) T. P. Yi, J. Bamboo Res. 2(1): 39. (1983)<\/p>\n<p>[3] Demoly, Jean-Pierre Les bambous chinois \u00e1 rhizome pachymorphe d\u2019introduction recente, cultives en plein air en Europe, Bambou, AEB France. (2006)<\/p>\n<p>[4] Wolong Nature Reserve, nach J. Campbell, Schreibschrift, unver\u00f6ffentlicht. (1988)<\/p>\n<p>[5] Jos van der Palen, pers\u00f6nliche Mitteilung. (2019)<\/p>\n<p>[6] Flora of China, Vol. 22 <em>(Poaceae)<\/em>, MBG Press. (2006)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Steffen Greiner Die EBS-D hat &#8211; mittlerweile zum 17. Mal &#8211; den Bambus des Jahres gew\u00e4hlt, diesmal eine Fargesia ohne Ausbreitungsdrang mit sehr feinem Laub, die auch zur K\u00fcbelhaltung geeignet ist. Die Achillesferse dieser Pflanze ist die begrenzte Winterh\u00e4rte. Die Art Fargesia angustissima wurde erst 1985 beschrieben [1]. 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