{"id":3888,"date":"2020-12-11T21:15:28","date_gmt":"2020-12-11T20:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/?page_id=3888"},"modified":"2020-12-11T22:00:04","modified_gmt":"2020-12-11T21:00:04","slug":"die-asiatische-bambusminierfliege-cerodontha-unisetiorbita","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/schaedlinge\/die-asiatische-bambusminierfliege-cerodontha-unisetiorbita\/","title":{"rendered":"Die asiatische Bambusminierfliege (Cerodontha unisetiorbita)"},"content":{"rendered":"<p>Die asiatische Bambusminierfliege <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> in Italien<\/p>\n<p><a class=\"embeddedAttachmentLink jsImageViewerEnabled\" title=\"Minierfliege_Dueking_Bild1.jpg\" href=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5904-Minierfliege-Dueking-Bild1-jpg\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5904-Minierfliege-Dueking-Bild1-jpg\/?thumbnail=1\" alt=\"\" \/><\/a><br \/>\nFoto: Daniel Kunz<br \/>\nAbb. 1: Schadbild eines noch nicht identifizierten Minierers an <em>Phyllostachys<\/em>-Bl\u00e4ttern in der Schweiz.<\/p>\n<p><a class=\"embeddedAttachmentLink jsImageViewerEnabled\" title=\"Minierfliege_Dueking_Bild2.jpg\" href=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5905-Minierfliege-Dueking-Bild2-jpg\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5905-Minierfliege-Dueking-Bild2-jpg\/?thumbnail=1\" alt=\"\" \/><\/a><br \/>\nFoto: Daniel Kunz<br \/>\nAbb. 2: Schadbild mit T\u00f6nnchenpuppe des Verursachers.<\/p>\n<p>Bambus stand hierzulande bei den Gartenbesitzern lange im Ruf, v\u00f6llig frei von Sch\u00e4dlingen zu sein. Doch allm\u00e4hlich scheint sich herauszustellen, dass einige hochspezialisierte Bambussch\u00e4dlinge auf der Spur ihrer Wirtspflanzen von Asien in andere Teile der Welt gelangen. So hat Prof. Luciano S\u00fcss, damals Direktor des Istituto di Entomologia agraria dell\u2018 Universit\u00e0 di Milano, f\u00fcr Italien das Auftreten der Minierfliege <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> an <i>Phyllostachys mitis<\/i> festgestellt (5).<\/p>\n<p>Die umfangreiche Familie der Minierfliegen oder <i>Agromyzidae<\/i> besteht aus kleinen, meist nur 2 bis 3 mm langen Fliegen. Die deutsche Bezeichnung Minierfliege geht darauf zur\u00fcck, dass die Larven dieser Fliegen in Bl\u00e4ttern, ohne die Au\u00dfenhaut der Bl\u00e4tter zu verletzen, Fra\u00dfg\u00e4nge \u2013 sogenannte Minen \u2013 anlegen. Die Fra\u00dfspuren werden als Aufhellungen an der Oberfl\u00e4che der Bl\u00e4tter sichtbar und zeigen ein artspezifisches l\u00e4ngliches, spiralf\u00f6rmiges oder fl\u00e4chiges Aussehen. Manche Arten minieren auch in anderen Pflanzenteilen, z.B. in St\u00e4ngeln. Die ausgewachsenen Fliegen ern\u00e4hren sich von Pflanzens\u00e4ften, indem sie Bl\u00e4tter anstechen. Etwa 7 % aller Minierfliegen sind als Sch\u00e4dlinge in der Landwirtschaft und im Gartenbau bekannt (2).<\/p>\n<p>Wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, dass weltweit etwa 2.900 Agromyzidenarten vorkommen und es allein in der Gattung <i>Cerodontha<\/i> bereits 286 Arten gibt, wird verst\u00e4ndlich, dass eine exakte Identifizierung der meisten Arten nur durch einen Fachmann m\u00f6glich ist. So werden beispielsweise <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> und ihre ebenfalls asiatische Schwesterart <i>Cerodontha bisetiorbita<\/i> von europ\u00e4ischen Minierfliegenarten unterschieden, indem man mikroskopische Pr\u00e4parate der m\u00e4nnlichen Genitalapparate vergleicht.<\/p>\n<p>Der russische Spezialist Vladimir Zlobin hat die Gattung Cerodontha neu geordnet (6) und auch die Erstbeschreibung von <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> ver\u00f6ffentlicht. Auf dieser Grundlage beschreibt Luciano S\u00fcss detailliert die Erkennungsmerkmale der Bambusminierfliege. Sein Weg zur Identifizierung von <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> soll hier in groben Z\u00fcgen dargestellt werden. F\u00fcr eine exakte Bestimmung sei auf die Fachliteratur (5)(6) verwiesen.<br \/>\nMinierfliegen geh\u00f6ren zu einer Untergruppe der Zweifl\u00fcgler, bei der das schl\u00fcpfende Tier den Deckel der T\u00f6nnchenpuppe (s. Bild 3) mithilfe einer Stirnblase aufdr\u00fcckt. Anschlie\u00dfend zieht sich die Stirnblase zur\u00fcck, und auf der Stirn verbleibt eine nach oben gew\u00f6lbte sichelf\u00f6rmige oder ovale Naht. Die von dieser Naht umschlossene Kopfplatte oberhalb der F\u00fchler war bei den untersuchten Tieren deutlich h\u00f6her als ein Halbkreis, womit die Tiere in die Untergattung <i>Poemyza<\/i> eingeordnet werden konnten. Fast alle Arten dieser Untergattung sind Minderer von S\u00fc\u00dfgr\u00e4sern (<i>Poaceae<\/i>)(1), zu denen ja auch Bambus geh\u00f6rt. Die m\u00e4nnlichen Genitalien der Fliegen wiesen jedoch gro\u00dfe Unterschiede zu den europ\u00e4ischen <i>Poemyza<\/i> auf, und eine gr\u00fcndliche Genitalienuntersuchung f\u00fchrte schlie\u00dflich zu <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i>. Namengebend f\u00fcr <i>C. unisetiorbita<\/i> ist eine dichte Reihe von kleinen Borsten (orbita setulae), welche zus\u00e4tzlich zu den regul\u00e4ren gr\u00f6\u00dferen Gesichtsborsten jeweils am inneren Rand der beiden Augen verl\u00e4uft. Die Schwesterart <i>C. bisetiorbita besitzt<\/i> jeweils zwei solcher Reihen an jedem inneren Augenrand.<br \/>\nDie Bambusminierfliege <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> ist schwarz und etwas gl\u00e4nzend. Das Labellum, eine Art Lippe am Ende des R\u00fcssels, ist auff\u00e4llig gelb. Auch die sogenannten Halteren, die zu Schwingk\u00f6lbchen umgebildeten urspr\u00fcnglichen Hinterfl\u00fcgel der Zweifl\u00fcgler, sind gelb gef\u00e4rbt.<\/p>\n<p>In dem umfangreichen Werk von Spencer (1990)(4) werden f\u00fcr Bambus (<i>Bambusoideae<\/i>) nur wenige <i>Cerodontha<\/i>-Arten angegeben: Auf <i>Arundinaria<\/i> wurde nur die Schwesterart <i>Cerodontha bisetiorbita<\/i>, auf <i>Bambusa<\/i> nur <i>Cerodontha bambusae<\/i> und auf <i>Sasa<\/i> nur <i>Cerodontha sasae<\/i> gefunden. F\u00fcr <i>Phyllostachys<\/i> werden in dieser Publikation keine <i>Cerodontha<\/i>-Arten angegeben, und auch bei der Erstbeschreibung von <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> im Jahr 1992 war die Wirtspflanze noch nicht bekannt.<\/p>\n<p>Die von Zlobin 1992 beschriebenen Exemplare stammen aus Japan von der Insel Kyushu. In Italien fand Luciano S\u00fcss 2000 die ersten Exemplare in einem wilden Bestand von <i>Phyllostachys mitis<\/i> in 460 m H\u00f6he bei Arizzano in der N\u00e4he des Lago Maggiore. Im selben Jahr fand er noch einen Befall auf derselben Wirtspflanze in einem Privatgarten in Mailand und im Fr\u00fchjahr des folgenden Jahres \u2013 wieder auf derselben Wirtspflanze \u2013 einen Befall in Pozzuolo in der Provinz La Spezia. Die Herkunft von Angaben zum Vorkommen von <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> in Albanien (3) kann nicht nachvollzogen werden. Bei S\u00fcss (2001) gibt es keinen solchen Hinweis.<\/p>\n<p>Luciano S\u00fcss, der seit vielen Jahren Agromyziden gesammelt hat und auch oft Gelegenheit hatte, Phyllostachys mitis zu sehen, sind nie zuvor die Fra\u00dfspuren von <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> aufgefallen. Aus der Tatsache, dass <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> gleichzeitig an entfernten Orten in Italien auftrat, schlie\u00dft er, dass diese winzige und unauff\u00e4llige Minierfliege mit den kleinen Gangminen latent wohl schon seit l\u00e4ngerem in Italien heimisch war. Der Witterungsverlauf im Jahr 2000 h\u00e4tte dann zu einer so starken Vermehrung dieser Minierfliegen gef\u00fchrt, dass der Befall von Bambus auff\u00e4llig wurde. Berichte deuten darauf hin, dass <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> mehrere Generationen pro Jahr hat und \u2013 im Gegensatz zur Schwesterart <i>Cerodontha bisetiorbita<\/i> \u2013 streng an eine einzige Wirtspflanze gebunden ist.<\/p>\n<p><a class=\"embeddedAttachmentLink jsImageViewerEnabled\" title=\"Minierfliege_Dueking_Bild3.jpg\" href=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5906-Minierfliege-Dueking-Bild3-jpg\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5906-Minierfliege-Dueking-Bild3-jpg\/?thumbnail=1\" alt=\"\" \/><\/a><br \/>\nFoto: Daniel Kunz<br \/>\nAbb. 3: T\u00f6nnchenpuppe einer minierenden Fliege.<\/p>\n<p>Aus einem Bambusbestand in der N\u00e4he von Z\u00fcrich ist dieses Jahr im Internetforum der EBS-D ein erstes Foto von Gangminen und Minierfliegenpuppen in <i>Phyllostachys<\/i>-Bl\u00e4ttern aufgetaucht (s. Bild 1 und 2). Die gleichen Gangminen fanden sich auch an Fargesien. Das Schadbild weist eine gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit dem Schadbild der Bambusminierfliege in Italien auf, jedoch scheinen die G\u00e4nge breiter zu sein. W\u00e4hrend die Breite der Gangminen in Italien auf Fotos nur 1\/8 bis 1\/6 der Blattbreite ausmachen, betr\u00e4gt die Breite auf Fotos vom schweizer Vorkommen etwa 1\/4 bis 1\/3 der Blattbreite. Solange der Sch\u00e4dling noch nicht eindeutig identifiziert ist, sollte man sehr vorsichtig damit sein, auf Grundlage der Wirtspflanze und des Schaubildes Vermutungen \u00fcber den Verursacher anzustellen. Durch den Fund von T\u00f6nnchenpuppen kann man monierende K\u00e4fer oder Schmetterlinge zwar ausschlie\u00dfen, aber auch einheimische Minierfliegen mit einem von Natur aus breiteren Nahrungsspektrum kommen in Betracht. Au\u00dferdem hat sich in den letzten Jahrzehnten das Nahrungsspektrum einiger Minierfliegenarten, die urspr\u00fcnglich auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert waren, deutlich auf mehrere oder viele Pflanzenarten erweitert. Man f\u00fchrt dies auf die Zunahme von Intensivkulturen und andere gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen in den \u00d6kosystemen zur\u00fcck (2). Im Prinzip k\u00f6nnte also auch eine urspr\u00fcnglich spezialisierte einheimische Minierfliegenart ihr Nahrungsspektrum auf den ins \u00d6kosystem eingef\u00fchrten Bambus erweitert haben. Theoretisch ist es auch nicht auszuschlie\u00dfen, dass eine weitere, in Europa noch nicht nachgewiesene Minierfliegenart aus Asien eingeschleppt wurde. Hinzu kommt noch, dass es bei den Fliegen auch au\u00dferhalb der Familie der Minierfliegen monierende Arten gibt.<\/p>\n<p>Die <em>Phyllostachys<\/em>-Best\u00e4nde in Italien scheinen laut Luciano S\u00fcss den Befall mit Bambusminierfliegen ganz gut zu verkraften, und auch in der Schweiz kommt es bislang zu keiner gro\u00dfen optischen Beeintr\u00e4chtigung durch den noch unbestimmten Minierer. Man kann die Populationsentwicklung einer eingeschleppten Insektenart nicht vorhersagen, aber bislang m\u00fcssen sich Bambusliebhaber noch keine Sorgen machen, wenn sie Symptome von Minierern an ihren Pflanzen entdecken. Wer dennoch vorsichtig sein m\u00f6chte, kontrolliert seine Neuzug\u00e4nge auf Minierfliegenbefall und entsorgt gegebenenfalls befallene Bl\u00e4tter durch Verbrennen oder Vergraben.<\/p>\n<p><strong>Autor: Raimund D\u00fcking<\/strong><\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><br \/>\n(1) \u010cern\u00fd, M. 2010. A review of the species of Cerodontha Rondani (Diptera: Agromyzidae) of Israel, with a new species of the subgenus Poemyza Hendel, 1931. Israel Journal of Entomology, Vol. 40, pp. 117\u2013143.<br \/>\n(2) Gil Ortiz, R. 2010. Biosystematic contributions to Agromyzidae (Diptera). Jimenez Peydro, R. dir., Universitat Polit\u00e8cnica de Val\u00e8ncia. Departamento de Ecosistemas Agroforestales.<br \/>\n(3) Skuhrav\u00e1, M. et al. 2010 Diptera. Chapter 10. In: Roques A et al. (Eds) Alien terrestrial arthropods of Europe. BioRisk 4(2): 553\u2013602.<br \/>\n(4) Spencer, K. A. 1990 \u2013 Host Specialization in the World Agromyzidae (Diptera). Kluwer Acad. Publ., Ser. Entomol., 45: 1-144<br \/>\n(5) S\u00fcss, L. 2001. Cerodontha (Poemyza) unisetiorbita Zlobin (Diptera Agromyzidae) nuova per l\u2018Europa. Bollettino di Zoologia agraria e di Bachiccoltura, Ser. II, vol. 33 (1) pagg. 73-77.<br \/>\n(6) Zlobin, V.V. 1993. Review of mining flies of the genus Cerodontha. IV. Subgenus Poemyza (Diptera: Agromyzidae). Zoosystematica Rossica, 1(0), 117\u2013141.<\/p>\n<p><b>Aktualisierung 01: <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> identifiziert<\/b><\/p>\n<p><a class=\"embeddedAttachmentLink jsImageViewerEnabled\" title=\"Kunz_Daniel_Bambusminierfliege_DSC_0684c2.jpg\" href=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5907-Kunz-Daniel-Bambusminierfliege-DSC-0684c2-jpg\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5907-Kunz-Daniel-Bambusminierfliege-DSC-0684c2-jpg\/?thumbnail=1\" alt=\"\" \/><\/a><br \/>\nFoto: Daniel Kunz<\/p>\n<p>Im vorherigen Bambus-Journal wurde berichtet, dass die asiatische Bambusminierfliege <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> seit l\u00e4ngerem nach Italien eingewandert ist, und es in der Schweiz 2013 in einem Bambusgarten in der N\u00e4he von Z\u00fcrich zum einem Befall von Bambus durch einen noch nicht identifizierten Minierer kam. Inzwischen ist es unserem Mitglied Daniel Kunz gelungen, kleine schwarze Fliegen aus den Puppen des unbekannten Insekts heranzuziehen und zu fotografieren (s. Abb.).<br \/>\nWegen der geringen Gr\u00f6\u00dfe der Fliege von kaum 3 mm sind die meisten Bestimmungsmerkmale nicht zu erkennen, aber Luciano S\u00fcss, der die asiatische Bambusminierfliege in Italien entdeckt hat und sie genau kennt, best\u00e4tigt, dass es sich um <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> handelt. Aufgrund der Fl\u00fcgeladerung ist sie auf dem Foto eindeutig von der Schwesterart <i>Cerodontha bisetiorbita<\/i> zu unterscheiden: Der letzte Abschnitt der mittleren Fl\u00fcgelader ist etwa 1,8 mal so lang wie der vorletzte Abschnitt. Bei der Schwesterart <i>C. bisetiorbita<\/i> m\u00fcssten die beiden Abschnitte der Ader etwa gleich lang sein.<br \/>\nLuciano S\u00fcss hat die Bambusminierfliege in den letzten Jahren in Italien nicht mehr gesehen, und auch in dem schweizerischen Bambusgarten hat der Minierfliegenbefall zu keiner gr\u00f6\u00dferen optischen Beeintr\u00e4chtigung der Bambuspflanzen gef\u00fchrt. Bei den Bambush\u00e4ndlern d\u00fcrften eventuell auftretende Minierfliegen als Nebeneffekt der Bambusmilbenbek\u00e4mpfung weitgehend beseitigt werden. Es scheint also \u2013 anders als bei den Bambusmilben \u2013 bislang keinen Handlungsbedarf zu geben.<\/p>\n<p><b>Aktualisierung 02: Bambusminierfliegen auch in Deutschland<\/b><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/oldforum.bambus-deutschland.de\/index.php\/Attachment\/5914-IMG-5575-jpg\/\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Nach Fundmeldungen der asiatischen Bambusminierfliege (<i>Cerodontha unisetiorbita<\/i>) aus Italien, der Schweiz und Tschechien (hier bisher nur ein Bericht \u00fcber Gangminen in <i>Phyllostachys<\/i>-Bl\u00e4ttern) ist die Minierfliege im Herbst 2014 auch in meinem Garten in Norddeutschland an <i>Phyllostachys parvifolia<\/i> aufgetreten. Da es in meinem Garten und auch in der Nachbarschaft keine Neuzug\u00e4nge an Bambus gibt, kann die Fliege nicht auf diesem Weg eingeschleppt worden sein. Im Gegensatz zu den Bambusmilben und Bambusschmierl\u00e4usen, die fast ausschlie\u00dflich \u00fcber den Handel verbreitet werden, scheint die Fliege doch einen gr\u00f6\u00dferen Aktionsradius zu besitzen. Zum Gl\u00fcck gibt es keine Berichte von nennenswerten Beeintr\u00e4chtigungen.<br \/>\nUm sicher zu gehen, dass es sich hier nicht um eine einheimische Minierfliegenart handelt, welcher der Wechsel auf eine neue Wirtspflanze gelungen ist, habe ich aus einer Puppe eine Fliege schl\u00fcpfen lassen und die Liste der \u00e4u\u00dferen Merkmale der Bambusminierfliege abgearbeitet. Die Befunde passen hundertprozentig zu <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i>. Die inneren Organe (Genitalien der M\u00e4nnchen) habe ich jedoch nicht untersucht.<\/p>\n<p><b>Aktualisierung 03: Weitere Vorkommen der Bambusminierfliegen in Hannover<\/b><\/p>\n<p>An den <i>Phyllostachys<\/i>-Best\u00e4nden im Zoo Hannover gibt es Mitte Oktober 2014 auch Gangminen von Minierfliegen. Man mu\u00df jedoch schon sehr lange suchen, um ein befallenes Blatt zu entdecken.<br \/>\nAnders ist die Situation im Berggarten in Hannover. Dort findet man reichlich befallene Bl\u00e4tter an <i>Phyllostachys<\/i>-Arten und an einem niedrigen Bambus, der dort mit <i>Arundinaria pumila<\/i> beschildert ist.<br \/>\nAu\u00dferdem gibt es eine Forumsmitteilung \u00fcber Fra\u00dfg\u00e4nge an Semiarundinaria fastuosa in einem Privatgarten.<\/p>\n<p>Wenn die Tiere jetzt zeitgleich in verschiedenen G\u00e4rten auftauchen, dann spricht das in meinen Augen daf\u00fcr, da\u00df sich die Populationen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle schon seit l\u00e4ngerem verbreitet haben. Es w\u00e4re also witterungsbedingt, da\u00df wir sie jetzt finden. Somit best\u00fcnden gute Aussichten, da\u00df sie in den n\u00e4chsten Jahren wieder unter die Wahnehmungsschwelle sacken. \u00c4hnliche Erfahrungen hat es ja auch in Italien gegeben. Wenn es sich best\u00e4tigt, dass die Gangminen an <i>Fargesia<\/i> (schweizer Vorkommen), an <i>Semiarundinaria fastuosa<\/i> und an <i>Arundinaria pumila<\/i> von <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> sind, dann m\u00fc\u00dfte die Annahme, dass diese Art ausschlie\u00dflich an <i>Phyllostachys<\/i> gebunden ist, revidiert werden.<\/p>\n<p><b>Aktualisierung 04: Vorkommen in Deutschland wissenschaftlich anerkannt.<\/b><\/p>\n<p>Nun ist das Vorkommen der asiatischen Bambusminierfliege <i>Cerodontha unisetiorbita<\/i> in Deutschland auch wissenschaftlich anerkannt:<\/p>\n<p>Milo\u0161 \u010cern\u00fd &amp; Jind\u0159ich Roh\u00e1\u010dek:<br \/>\n<i>Cerodontha <\/i>(<i>Poemyza<\/i>) <i>unisetiorbita <\/i>Zlobin,1993 (Diptera: Agromyzidae), a leaf-miner on bamboo: first records from Central Europe. \u2013 Acta Mus. Siles. Sci. Natur., 64: 91-96, 2015.<\/p>\n<p>Interessanterweise waren einige der Minierfliegenpuppen, welche in der Tschechischen Republik im zoologischen Garten von Zl\u00edn-Le\u0161n\u00e1 an <i>Phyllostachys nuda<\/i> gefunden wurden, von einer Brackwespenart parasitiert. Statt einer Minierfliege ist in diesen F\u00e4llen also eine kleine Brackwespe (<i>Braconidae<\/i>) geschl\u00fcpft. Nach einer vorl\u00e4ufigen Bestimmung soll es sich dabei um eine Art aus dem Tribus <i>Opiini <\/i>handeln (Quelle s.o.).<\/p>\n<p><strong>Autor: Raimund D\u00fcking<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die asiatische Bambusminierfliege Cerodontha unisetiorbita in Italien Foto: Daniel Kunz Abb. 1: Schadbild eines noch nicht identifizierten Minierers an Phyllostachys-Bl\u00e4ttern in der Schweiz. Foto: Daniel Kunz Abb. 2: Schadbild mit T\u00f6nnchenpuppe des Verursachers. Bambus stand hierzulande bei den Gartenbesitzern lange im Ruf, v\u00f6llig frei von Sch\u00e4dlingen zu sein. 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