{"id":4349,"date":"2024-02-22T21:42:31","date_gmt":"2024-02-22T20:42:31","guid":{"rendered":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/?page_id=4349"},"modified":"2024-02-23T21:26:57","modified_gmt":"2024-02-23T20:26:57","slug":"chusquea-echaratensis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/arten-und-sorten\/chusquea\/chusquea-echaratensis\/","title":{"rendered":"Chusquea echaratensis"},"content":{"rendered":"<h6><em>Dr. Steffen Greiner<\/em><\/h6>\n<h5><em>Chusquea <strong>echaratensis<\/strong><br \/>\n<\/em><\/h5>\n<p><strong>Eine neue Bambusart aus dem S\u00fcdosten Perus<\/strong><\/p>\n<p>Weltweit ist eine riesige Zahl an Bambusarten (\u00fcber 1400 Arten aus 116 verschiedenen Gattungen) bekannt. Auch wenn oft der Eindruck entsteht, man kenne schon alles, so werden immer noch neue Bambusarten gefunden und taxonomisch beschrieben. Das Zentrum der Artenvielfalt bei Bambus ist unbestritten S\u00fcd-Ost Asien. Allerdings werden neue Arten in j\u00fcngerer Zeit h\u00e4ufig aus S\u00fcdamerika beschrieben, was sicher mit der Zunahme an wissenschaftlicher Feldarbeit aber auch mit der unglaublichen geografischen Vielfalt S\u00fcdamerikas zu tun hat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4351\" aria-describedby=\"caption-attachment-4351\" style=\"width: 1810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4351 size-full\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1810\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-1-scaled.jpg 1810w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-1-212x300.jpg 212w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-1-724x1024.jpg 724w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-1-768x1086.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-1-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-1-1448x2048.jpg 1448w\" sizes=\"auto, (max-width: 1810px) 100vw, 1810px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4351\" class=\"wp-caption-text\">Chusquea echaratensis. A. Erg\u00e4nzung der Laubbl\u00e4tter. B. Detail des Mosaiks auf den Laubbl\u00e4ttern. C. Segment eines Nebenzweigs mit \u00c4hrchenb\u00fcscheln. D. Detail eines \u00c4hrchenb\u00fcschels. E-G. H\u00fcllbl\u00e4tter, Dorsalansicht. H. \u00c4hrchen. I. H\u00fcllspelzen I und II. J. H\u00fcllspelze III, Ansicht von dorsal. K. H\u00fcllspelze IV, dor sale Ansicht. L. Bl\u00fcte, Seitenansicht. M. Deckspelze, Dorsalansicht. N.Palea, Dorsalansicht. O. Palea und Androeceum. P. Palea und Gynoeceum. Q-S. Lodicula. Illustration von S. Terreros aus J. Amer. Bamboo Soc. 32:1-6<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Biodiversit\u00e4t von Bambus in Peru<\/strong><\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Bambusarten sind in Peru haupts\u00e4chlich in feuchten und immergr\u00fcnen tropischen Tieflandw\u00e4ldern zu finden. Einige Arten sind eher niedrig und z\u00e4hlen zur Unterholz-Vegetation, andere wachsen eher baumartig h\u00e4ufig entlang von Fluss- und Bachufern. Man findet Bambusse aber sogar in den hochgelegenen Graslandschaften, die als &#8222;P\u00e1ramos&#8220;<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> bekannt sind. Im Grunde also kommen Bambusse in Peru von Meeresh\u00f6he bis etwa 4500 m H\u00f6he vor, klimatisch vom tropischen Regenwald bis zu alpinen Hochlandsteppen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Peru sind 62 Bambusarten aus 6 Gattungen beschrieben. Die meisten Arten davon, n\u00e4mlich 36, sind aus der Gattung <em>Chusquea<\/em>, von denen 18 als endemisch \u2013 im Sinne von nat\u00fcrlicherweise in diesem Gebiet vorkommend &#8211; gelten. Nicht verwunderlich, da das Verbreitungsgebiet von Arten der Gattung <em>Chusquea<\/em> riesig ist. Es reicht von Mexico (24\u00b0N) bis in den S\u00fcden von Argentinien und Chile (47\u00b0S) \u2013 eine Entfernung von \u00fcber 8000 km. Somit sind verschiedene Arten dieser Gattung an tropische, subtropische, aber auch an gem\u00e4\u00dfigte trockenere sowie feuchte Klimate angepasst. <em>Chusquea<\/em> hat sich daher auch zur facettenreichsten Bambusgattung \u00fcberhaupt entwickelt. Aufgrund der extrem unterschiedlichen Habitate finden sich sehr diverse Ph\u00e4notypen: So reichen die maximalen H\u00f6hen von 1 bis 18 m und die Halme von 0,2 bis 6 cm im Durchmesser. Die meisten Arten sind von der Rhizomstruktur her pachymorph, manche aber auch amphimorph oder gar leptomorph, es gibt also neben den horstig wachsenden Arten auch ausl\u00e4ufertreibende Arten und Zwischenformen in der Gattung. Ebenso gibt es aufrechte, aber sogar h\u00e4ufiger h\u00e4ngende oder kletternde Arten. Von den etwa 200 Arten der Gattung kommen wie oben ausgef\u00fchrt 36 auch oder ausschlie\u00dflich in Peru vor.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4352\" aria-describedby=\"caption-attachment-4352\" style=\"width: 1689px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4352\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1689\" height=\"2237\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-2.jpg 1689w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-2-227x300.jpg 227w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-2-773x1024.jpg 773w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-2-768x1017.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-2-1160x1536.jpg 1160w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/JABSv32_Chusquea_echaratensis-2-1546x2048.jpg 1546w\" sizes=\"auto, (max-width: 1689px) 100vw, 1689px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4352\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung: A-B \u00c4hrchen mit Staubgef\u00e4\u00dfen C. Laubbl\u00e4tter D. Habitus und Lebensraum A-D Fotos von Beto Canal.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Neu entdeckte Art <em>Chusquea echaratensis: <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die neu entdeckte Art, <em>Chusquea echaratensis<\/em> kommt in den Yunga-W\u00e4ldern der Anden<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> im S\u00fcdosten Perus vor. Die genauen Koordinaten des Fundortes sind 12\u00b0 32&#8217;53.6202&#8220;S 72\u00b0 58&#8217;24.8641&#8220;W. Wer die Koordinaten bei Google Maps eingibt wird sehen, dass die bergige Gegend sehr d\u00fcnn besiedelt ist und \u201eEcharate District\u201c genannt wird. Damit erkl\u00e4rt sich auch der Artname: Diese Art ist nach ihrem Fundort benannt und ist eine endemische Art, die nur in einer Population im Bezirk Echarate, Provinz La Convenci\u00f3n, Cusco, auf 1809m vorkommt. Nach der \u00d6kologischen Karte von Peru entsprechen die geographischen Koordinaten des Fundortes einem Gebiet von Yunga-Montanw\u00e4ldern. Diese \u00d6kosysteme befinden sich in einer H\u00f6henlage zwischen 600 und 2500 m mit sehr steilen H\u00e4ngen und einer sehr hohen Biodiversit\u00e4t. Die W\u00e4lder haben ein geschlossenes Kronendach mit drei unterscheidbaren Schichten. Die B\u00e4ume dort k\u00f6nnen 25-30 m hoch werden. In diesen Vorgebirgsw\u00e4ldern kommen Arten sowohl aus dem Amazonas-Tiefland als auch der \u201eYungas\u201c selbst vor, da es sich um ein \u00dcbergangsgebiet zwischen verschiedenen Vegetationstypen handelt. Au\u00dferdem sind die montanen Yunga-W\u00e4lder reich an Epiphyten, Flechten, <em>Bromeliaceae<\/em> und <em>Orchidaceae<\/em>. Die Art wurde im September 2020 am Fundort bl\u00fchend gefunden. Das Klima dort ist feucht-hei\u00df und immer frostfrei, weshalb die Art vermutlich aufgrund dieser Herkunft kaum Winterh\u00e4rte besitzen d\u00fcrfte. Es handelt sich um einen eher kleinen Bambus, die Halme werden 1,5-2 m hoch, an der Basis aufrecht mit gebogener\/\u00fcberh\u00e4ngender Spitze. Die Halme sind mit etwa 3,5 mm Durchmesser relativ d\u00fcnn und die Bl\u00e4tter f\u00fcr <em>Chusquea<\/em> mit etwa 20 cm L\u00e4nge ziemlich gro\u00df, Details k\u00f6nnen der Originalbeschreibung (Re\u00e1tegui &amp; Alegr\u00eda Olivera, 2022) und der Abbildung entnommen werden.<\/p>\n<p>Literatur<\/p>\n<ol>\n<li>Re\u00e1tegui &amp; J. Alegr\u00eda Olivera (2022) A new species of Chusquea (Poaceae: Bambusoideae: Bambuseae) from Southeastern Peru J. Amer. Bamboo Soc. 32: 1\u2012 6<\/li>\n<\/ol>\n<p>Fu\u00dfnoten<\/p>\n<p>[1] Der P\u00e1ramo (altspanisch: \u201eschlechtes, baumfreies Land\u201c) ist eine Vegetationsform der baumlosen, alpinen Hochlandsteppen feuchttropisch-\u00e4quatorialer Gebirge. Die Bezeichnung stammt aus den Anden S\u00fcdamerikas, wird jedoch heute auch f\u00fcr die gleichartige Vegetation anderer tropischer Gebiete verwendet. Die gr\u00f6\u00dften P\u00e1ramo-Gebiete reichen von Kolumbien \u00fcber Ecuador bis in den Norden Perus, wo sie oberhalb der Waldgrenze (Nebelwald) zwischen ca. 3500 und 4500 m H\u00f6he in feuchtem Klima vorkommen.<\/p>\n<p>[2] Der Yunga (aus Quechua Yunka, \u201eGebiet mit ungesundem, hei\u00df-feuchtem Klima\u201c; auch Yunca) ist eine H\u00f6henstufe beiderseits der tropischen Anden in H\u00f6henlagen von 500 bis 2300 Metern und entspricht damit der montanen Bergwaldstufe.<\/p>\n<p>Dieser Artikel aus dem Bambus-Journal 3 2023 steht hier zum download bereit: <a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/?ddownload=4354\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" class=\"ddownload-button button-blue id-4354 ext-pdf\">Download<\/a><\/p>\n<div>Lizenz: CC BY-NC-SA<\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/4.0\/deed.de\">https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/4.0\/deed.de<\/a><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a><\/p>\n<div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Steffen Greiner Chusquea echaratensis Eine neue Bambusart aus dem S\u00fcdosten Perus Weltweit ist eine riesige Zahl an Bambusarten (\u00fcber 1400 Arten aus 116 verschiedenen Gattungen) bekannt. 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