{"id":475,"date":"2016-12-21T23:52:15","date_gmt":"2016-12-21T22:52:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/?page_id=475"},"modified":"2019-05-27T15:58:03","modified_gmt":"2019-05-27T13:58:03","slug":"erfahrungsbericht-rhizomsperren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/bambus-kultur\/rhizome\/erfahrungsbericht-rhizomsperren\/","title":{"rendered":"Erfahrungsbericht Rhizomsperren"},"content":{"rendered":"<p>Auf den Gedanken einen Bericht \u00fcber die Notwendigkeit des Einbaues einer Rhizomsperre bei allen leptomorphen Bambussen zu schreiben, bin ich durch die vielen Anfragen unserer Neumitglieder gekommen. Es gibt immer noch gen\u00fcgend Gartencenter, Baumschulen oder Gartengestalter, die gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcber ihre Informationspflicht hinweg sehen; sei es aus Unwissenheit oder aus Gutgl\u00e4ubigkeit, dass da schon nichts passiert. Erst bei Info-Veranstaltungen, Messen oder Beratungsgespr\u00e4chen merken sie, wie brisant das Thema ist. So brisant, dass es schon einige Amtsgerichte besch\u00e4ftigt. Ich erinnere mich noch an ein \u00e4lteres Ehepaar. Sie hatten vor vielen Jahren einige Bambusse pflanzen lassen. Niedrige und hohe, nat\u00fcrlich leptomorphe. Jetzt ist der Reihenhausgarten eine einzige Wildnis. Die Terrasse ist nicht mehr nutzbar, der Gartenteich schon seit Jahren trocken. Der \u00f6ffentliche Fu\u00dfweg am hinteren Ende des Gartens wird von Jahr zu Jahr immer unebener. Aber nicht nur der eigene Garten, auch die angrenzenden Grundst\u00fccke sind schon in Mitleidenschaft gezogen worden\u2026..!<\/p>\n<h2>Dies ist mein eigener Erfahrungsbericht aus mehr als 15 Jahren.<\/h2>\n<p>\u00dcber die Verwendung von Rhizomsperren ist schon viel geschrieben worden. In Pflanzenkatalogen die vor ca.10 Jahren herauskamen stand noch geschrieben, dass man vor dem Ausbreitungsdrang von hohen Bambussen keine allzu gro\u00dfe Angst zu haben brauche, man steche alles \u00dcberfl\u00fcssige einfach ab. Anders w\u00e4re es bei niedrigen Gattungen. Dort sollte man doch eine Wurzelschutzfolie schr\u00e4g eingraben, oder den Bambus an einen Weg oder an eine Mauer pflanzen, um ein unkontrolliertes Ausbreiten zu verhindern. Ja es ist wirklich so, die Erfahrungen mit dem Ausbreitungsdrang des Bambus und mit den richtigen Rhizomsperren sind noch nicht \u00e4lter als maximal 10 bis 15 Jahre. Waren es damals noch Eternitplatten, Wellpolyester, Kantensteine, gro\u00dfe Kunststofft\u00f6pfe oder Betonrohre die Einhalt gebieten sollten, so wei\u00df man heute: Auf die Dauer war das alles Nichts. Bei vielen Materialien bestand das Problem in der notwendigen undurchdringlichen Verbindung von Anfang und Ende, auch gaben viele Materialien dem Druck der Rhizome nach. Betonrohre, mit einer H\u00f6he von 50 cm, waren f\u00fcr den Anfang sehr gut zu gebrauchen, aber nach Jahren wurden sie unterwandert. Sogar Kunststofft\u00f6pfe, wie sie in jeder Baumschule Verwendung fanden, wurden zu eng und platzten. Eine andere M\u00f6glichkeit besteht darin, in gen\u00fcgend Abstand um die Pflanze einen Graben von ca. 60 cm Tiefe auszuheben, mit Laub zu f\u00fcllen und regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberpr\u00fcfen ob auch kein Rhizom den Graben durchwandert. Man kann auch die Sperre zum Rasen hin offen lassen und alles, was nach au\u00dfen dr\u00e4ngt, abstechen. Sind wir doch mal ehrlich: Wie lange machen wir so etwas bis wir es irgendwann vergessen? Und genau darauf wartet der Bambus.<br \/>\nEs kamen st\u00e4ndig neue und h\u00f6here Bambusse auf den Markt, die G\u00e4rten wurden aber nicht gr\u00f6\u00dfer \u2013 im Gegenteil. Um nicht auf die wundersch\u00f6nen dickhalmigen und hohen Bambusse verzichten zu m\u00fcssen, wurde weiter experimentiert und ausprobiert. Es kam rechtzeitig eine hochverdichtete Polyethylen Folie auf den Markt.<br \/>\nHDPE-Folie ist der Name und die Ma\u00dfe: 70 cm in der Breite und zwischen 1,5 und 2 mm stark. Anfang und Ende der Folie werden mit zwei Aluminium Schienen verschraubt. Nach den \u201eheutigen\u201c Erfahrungen erf\u00fcllt eine solche Sperre ihren Zweck.<\/p>\n<h2>Einbau der Sperre<\/h2>\n<figure id=\"attachment_2339\" aria-describedby=\"caption-attachment-2339\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5769-4.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"Silvia Sieber Rhizomsperre\" data-rl_caption=\"\" title=\"Silvia Sieber Rhizomsperre\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2339\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5769-4-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5769-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5769-4.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2339\" class=\"wp-caption-text\">Silvia Sieber Rhizomsperre<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hat man sich beim Kauf f\u00fcr einen Ausl\u00e4ufer bildenden Bambus entschieden und ist nicht in der gl\u00fccklichen Lage Eigent\u00fcmer eines gro\u00dfen Grundst\u00fcckes zu sein, so sollte der Erwerb einer Rhizomsperre dazu geh\u00f6ren. Die L\u00e4nge der Rhizomsperre richtet sich zum Einen nach den Wuchseigenschaften des Bambus zum anderen nach der zur Verf\u00fcgung stehenden Fl\u00e4che. Als grobe Faustregel gehe ich immer von der zur erwarteten Wuchsh\u00f6he der Pflanze aus, sie ergibt den Durchmesser der Pflanzfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Beispiel: Phyllostachys vivax \u2018Aureocaulis\u2019, ca. Wuchsh\u00f6he 6 &#8211; 8m = gleich Durchmesser der Pflanzfl\u00e4che X 3,14 = lfm Rhizomsperre.<\/p>\n<p>Beim derzeitigen Preis von ca. 6 bis 7 Euro pro Meter ein nicht gerade preisg\u00fcnstiges Unterfangen. Jedoch bietet es \u00fcber Jahre hinaus einigerma\u00dfen Sicherheit.<\/p>\n<p>W\u00e4hlen Sie die Pflanzfl\u00e4che immer etwas gr\u00f6\u00dfer aus, dadurch minimieren sich die Pflegearbeiten in den nachfolgenden Jahren. Je kleiner die Fl\u00e4che, desto \u00f6fter muss gew\u00e4ssert und ged\u00fcngt werden, um ein optimales Wachstum zu erzielen. Auch leidet die Winterh\u00e4rte bei zu kleinen Fl\u00e4chen, die Erde trocknet zu schnell aus.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr die Sperre auszuhebende Graben sollte leicht schr\u00e4g nach au\u00dfen angelegt werden, um ankommende Rhizome nach oben abzuleiten. Tiefe des Grabens 65 cm, damit ein kleiner Streifen HDPE-Folie sp\u00e4ter herausschaut, um ein \u00fcberwandern zu verhindern. Verbunden werden die beiden Enden mit der Alu-Verschlussschiene. Bitte achten sie darauf, dass die Schraubabst\u00e4nde nicht mehr als 10 cm betragen. Verwenden sie eventuell zus\u00e4tzliche Schrauben, sonst besteht die Gefahr, dass die Rhizome hindurch wachsen. Auch darf die innere Folie nicht \u00fcberstehen, denn die Rhizome schieben sich unweigerlich dahinter.<\/p>\n<p>Statt der Verwendung der Alu-Schienen besteht die M\u00f6glichkeit, die Folienenden mit einem F\u00f6n zu verschwei\u00dfen oder zu verkleben. Der Graben wird anschlie\u00dfend wieder verf\u00fcllt und gut verdichtet damit die Folie sich nicht verschiebt.<\/p>\n<p>Ich selbst verwende 1,5 cm dicke und 80 cm hohe, mit Gewebe verst\u00e4rkte F\u00f6rderb\u00e4nder und praktiziere eine andere Verbindungs-Methode: Die beiden Enden werden ca. 50 cm nach innen gef\u00fchrt und dann verbunden. Der Vorteil dabei ist, dass die an der Rhizomsperre entlang wachsenden Rhizome immer wieder nach innen geleitet werden. Es bildet sich kein Ringelwuchs und ein Entwischen der Rhizome ist nicht m\u00f6glich. Auch dienen diese 50 cm als Dehnungsreserve bei nicht oder schlecht zu verdichtenden B\u00f6den.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2338\" aria-describedby=\"caption-attachment-2338\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5775-4.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-1\" data-rl_title=\"Silvia Sieber Rhizomsperre\" data-rl_caption=\"\" title=\"Silvia Sieber Rhizomsperre\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2338\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5775-4-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5775-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5775-4.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2338\" class=\"wp-caption-text\">Silvia Sieber Rhizomsperre<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine andere M\u00f6glichkeit ein Entwischen der Rhizome zu vermeiden, ist den verschlossenen Teil \u00fcber eine Schleife zur Seite zu legen. Das ergibt wiederum eine Dehnungsreserve und dadurch auch geringere Zugkr\u00e4fte auf die Verschlussschiene bei vollst\u00e4ndig durchwurzeltem Erdreich. Die Dehnungsreserve ist meiner Ansicht nach sehr wichtig bei eher kleinen Pflanzstellen, denn irgendwohin geht der Druck der Rhizome immer; denken Sie an die Container in der Baumschule die auch nach Jahren \u2018P\u00e4ng\u00b4 machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2340\" aria-describedby=\"caption-attachment-2340\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5771-4.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-2\" data-rl_title=\"Silvia Sieber Rhizomsperre\" data-rl_caption=\"\" title=\"Silvia Sieber Rhizomsperre\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2340\" src=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5771-4-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5771-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Sieber-Silvia-Rhizomsperre-IMG_5771-4.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2340\" class=\"wp-caption-text\">Silvia Sieber Rhizomsperre<\/figcaption><\/figure>\n<p>Verschiedentlich gab es schon Meldungen, dass Bambus, oberhalb von Mauern gepflanzt, diese bis zu Tiefen von 1,5 m unterwandert. Bei betonierten und armierten Mauern kann nichts passieren. Bei Trockenmauern hingegen kann dies zu massiven Problemen f\u00fchren, trotz Rhizomsperre. In meinem Garten ist das geschehen. Hinter der aufgeschichteten Trockenmauer wurde eine Sperre (70 cm) eingebaut, ein Pleioblastus gramineus gepflanzt und nach drei Jahren schaute das erste Rhizom in einer Tiefe von 1,2 m aus der Trockenmauer heraus. Ich f\u00fchre dies auf die Erw\u00e4rmung der Mauer und der dahinter liegenden Erde zur\u00fcck. Dadurch erfolgte ein tieferes Rhizomwachstum als bei normalen Standortverh\u00e4ltnissen; wissen wir doch, dass \u2013 bei gleicher Sorte \u2013 auf k\u00fchlen und schattigen Standorten der Ausbreitungsdrang geringer ist als auf sonnigen warmen Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Liebe Bambusfreunde, ein jeder muss seine eigenen Erfahrungen mit der Auswahl der richtigen Rhizomsperre machen. Auch beim Handling des Einbaues gehen die Meinungen noch teilweise auseinander.<\/p>\n<h2>Res\u00fcmee:<\/h2>\n<p>Um es noch einmal kurz zusammen zu fassen: Leptomorphe Bambusse ben\u00f6tigen in G\u00e4rten mit normaler Gr\u00f6\u00dfe immer eine Rhizomsperre. Die Pflanzfl\u00e4che nie zu klein w\u00e4hlen, Bambus entwickelt nach 8 bis 10 Jahren ungeahnte Kr\u00e4fte. Die Rhizomsperre so einbauen, dass sie von allen Seiten \u00fcberschaubar ist. Die Verschlussstelle in den vorderen Bereich bringen, damit sie jederzeit zu kontrollieren ist.<\/p>\n<p>Denken Sie daran, in jungen Jahren hat niemand ein Problem damit, dicke Rhizome mit Spaten oder Axt abzuschlagen, aber im Alter wird es immer schwerer; dann wollen wir uns an den dicken und hohen Halmen erfreuen.<\/p>\n<p>Vorausgesetzt man besitzt ein gro\u00dfes Grundst\u00fcck, ist es am Arttypischsten, hohe und dickhalmige Bambusse ohne Rhizomsperre zu pflanzen. Nur so stimmt der ganze Habitus, nur so entsteht eine Harmonie zwischen Halmh\u00f6he und den Abst\u00e4nden der Halme, nur so kommt der einzelne Halm besser zur Geltung. Mit Sperre kann es in manchen F\u00e4llen sehr eng werden.<\/p>\n<p><strong>Gerhard Sieber, Bambusjournal 01\/2006<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den Gedanken einen Bericht \u00fcber die Notwendigkeit des Einbaues einer Rhizomsperre bei allen leptomorphen Bambussen zu schreiben, bin ich durch die vielen Anfragen unserer Neumitglieder gekommen. 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