{"id":963,"date":"2017-01-17T17:53:08","date_gmt":"2017-01-17T16:53:08","guid":{"rendered":"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/?page_id=963"},"modified":"2019-05-27T15:58:03","modified_gmt":"2019-05-27T13:58:03","slug":"fargesia-denudata-t-p-yi-bambus-des-jahres-2015","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/beispiel-seite\/bambus-des-jahres\/bambus-des-jahres-portraits\/fargesia-denudata-t-p-yi-bambus-des-jahres-2015\/","title":{"rendered":"Fargesia denudata T.P.Yi, Bambus des Jahres 2015"},"content":{"rendered":"<h6>Dr. Steffen Greiner<\/h6>\n<p>Mit <em><strong>Fargesia denudata <\/strong><\/em>wurde von den Mitgliedern der EBS-D ein gut wintergr\u00fcner, horstig wachsender Bambus zum Bambus des Jahres gew\u00e4hlt, dem aufgrund seiner positiven Eigenschaften sicher ein gr\u00f6\u00dferer Bekanntheitsgrad zustehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>Fargesia denudata<\/em> kommt im s\u00fcdlichen Gansu und n\u00f6rdlichen Sichuan, China, auf 1900 bis 3200 m vor [1]. In den Herkunftsgebieten w\u00e4chst <em>Fargesia denudata<\/em> als Unterholz in subalpinen Tannen- (<em>Abies faxoniana<\/em>) und Fichten- (<em>Picea purpurea<\/em>) W\u00e4ldern mit deutlich geringerem Anteil an Laubb\u00e4umen (<em>Sorbus, Prunus, Betula, Acer<\/em>) [2]. Ein gut charakterisierter Standort ist der \u201eWang Lang Natural Reserve\u201c im Min Shan Gebirge (etwa 31\u00b0N, 103\u00b0E), dort sind auf 2900 m H\u00f6he die B\u00f6den der Koniferenw\u00e4lder sauer (pH 3,9) und der j\u00e4hrliche Niederschlag von etwa 1100 mm f\u00e4llt \u00fcberwiegend im Sommerhalbjahr. Bemerkenswert ist, dass die Jahresdurchschnittstemperatur nur bei 2,3\u00b0C liegt (zum Vergleich: Frankfurt\/Main 10,1\u00b0C) mit einer durchschnittlichen Temperatur im August von 12,1\u00b0C und im Januar von -7,2\u00b0C [2]. Diese Daten lassen schon viel \u00fcber die zu erwartende Winterh\u00e4rte von <em>Fargesia denudata<\/em>, aber auch \u00fcber ihre sonstigen Bed\u00fcrfnisse, erahnen. Nach den Erfahrungen in Europa bisher kann man vorsichtig von einer Winterh\u00e4rte von etwas unter -20\u00b0C ausgehen, allerdings gibt es Berichte aus Nordamerika nach denen die Pflanzen im dortigen Klima weniger winterhart zu sein scheinen als erwartet.<\/p>\n<p><em>Fargesia denudata<\/em> ist wie alle Fargesien monocarp und bl\u00fcht vermutlich alle 60-110 Jahre, um anschlie\u00dfend abzusterben. Die Population baut sich dann \u00fcber S\u00e4mlinge langsam neu auf. Die Regeneration des kompletten Bestandes wird je nach Standort mit 16-19 Jahren angenommen. Hier scheinen am Naturstandort sonnige Standorte einen Vorteil gegen\u00fcber schattigen Standorten zu haben [3]. Im \u201eWang Lang Natural Reserve\u201c hat <em>Fargesia denudata<\/em> im Jahr 1976 auf 80-90% der Fl\u00e4che gebl\u00fcht [2, 4], was zum Tod mehrerer 100 Gro\u00dfer Pandas (<em>Ailuropoda melanoleuca<\/em>) f\u00fchrte, denen <em>Fargesia denudata<\/em> als wichtige Nahrungsquelle dient [4]. Die Bl\u00fcte dauerte in verschiedenen Populationen bis in die 80er Jahre an, so dass in den n\u00e4chsten 20-30 Jahren wohl nicht mit einer Bl\u00fcte zu rechnen ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_965\" aria-describedby=\"caption-attachment-965\" style=\"width: 1836px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-965 size-full\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung1.jpg\" width=\"1836\" height=\"3264\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung1.jpg 1836w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung1-169x300.jpg 169w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung1-768x1365.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung1-576x1024.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 1836px) 100vw, 1836px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-965\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Junger Horst von Fargesia denudata. Foto Steffen Greiner<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Fargesia denudata<\/em> wurde als eigene Art erst 1985 von Tong Pei Yi beschrieben [5]. Sp\u00e4ter stellte der franz\u00f6sische Botaniker J.P. Demoly <em>Fargesia denudata<\/em> zur Gattung <em>Thamnocalamus<\/em>. Folglich w\u00e4re der neue Name (Basionym) der Pflanze <em>Thamnocalamus denudatus<\/em> [6]. Dieser Gattungswechsel wurde aber nicht allgemein anerkannt und hat sich auch nicht durchgesetzt.<\/p>\n<p>Erstmals gelangten S\u00e4mlinge 1986 durch Roy Lancaster nach Europa (Lancaster 1 und 2). Etwa 10 Jahre sp\u00e4ter wurden weitere Klone durch Jos van der Palen eingef\u00fchrt (Xian 1 und 2). Die verschiedenen Klone sind f\u00fcr den Nichtfachmann relativ \u00e4hnlich und deren Unterscheidungsmerkmale sollen hier nicht n\u00e4her behandelt werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_966\" aria-describedby=\"caption-attachment-966\" style=\"width: 1832px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-966 size-full\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung2.jpg\" width=\"1832\" height=\"2497\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung2.jpg 1832w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung2-220x300.jpg 220w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung2-768x1047.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung2-751x1024.jpg 751w\" sizes=\"auto, (max-width: 1832px) 100vw, 1832px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-966\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Die kurzen Seitenzweige sind typisch f\u00fcr Fargesia denudata. Foto Steffen Greiner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Pflanze w\u00e4chst horstig, aber durch die L\u00e4nge der Rhizomh\u00e4lse von 4-13 cm mit lockerem Halmabstand. Der Habitus ist kaskadenartig \u00fcberh\u00e4ngend, die neuen Halme stehen nur im ersten Jahr straff aufrecht. Typisch sind dabei die relativ kurzen Seitenzweige (Abbildung 2). Nach der Artbeschreibung werden 3-5 m H\u00f6he erreicht bei einer Halmst\u00e4rke bis 1,3 cm. Neue Halme sind olivgr\u00fcn, \u00e4ltere Halme zunehmend, v.a. in der Sonne, satt gelb. Die L\u00e4nge der Internodien betr\u00e4gt 10-15 cm. Die Halmscheiden sind blass-gelb und etwa 2\/3 so lang wie die Internodien, sie haften relativ lange an und haben gl\u00e4nzende Innenseiten (Abbildung 3). Die Bl\u00e4tter sind hellgr\u00fcn und 5-6 selten bis 8 cm (z.B. bei Xian 1) lang und etwa 1 cm breit und dabei in typischer Weise gewellt (Abbildung 4). Dieses Merkmal ist aber bei den verschiedenen Klonen von <em>Fargesia denudata<\/em> unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt (Xian 1 hat keine gewellten Bl\u00e4tter). Die Neigung zu dauerhaftem Blattrollen im Winter ist im Vergleich zu anderen Fargesien v.a. aus der Nitida-Gruppe deutlich reduziert. Am Naturstandort w\u00e4chst <em>Fargesia denudata<\/em> an sonnigen Standorten zwar besser als im Schatten, in Mitteleuropa kann aber wegen der vergleichsweise hohen Sommertemperaturen ein halbschattiger oder gar schattiger Standort deutliche Vorteile haben. Die Pflanze eignet sich wegen des gef\u00e4lligen Habitus gut als Solit\u00e4r, aber auch als Hecke. Hier kann wegen des \u00fcberh\u00e4ngenden Wuchses regelm\u00e4\u00dfiger Schnitt n\u00f6tig sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_967\" aria-describedby=\"caption-attachment-967\" style=\"width: 1836px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-967\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung3.jpg\" alt=\"\" width=\"1836\" height=\"3264\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung3.jpg 1836w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung3-169x300.jpg 169w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung3-768x1365.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung3-576x1024.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 1836px) 100vw, 1836px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-967\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Im August verlieren die neuen Halme ihre innen gl\u00e4nzenden Halmscheiden. Foto Steffen Greiner<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_968\" aria-describedby=\"caption-attachment-968\" style=\"width: 1836px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-968\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung4.jpg\" alt=\"\" width=\"1836\" height=\"3264\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung4.jpg 1836w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung4-169x300.jpg 169w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung4-768x1365.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Greiner_Steffen_Abbildung4-576x1024.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 1836px) 100vw, 1836px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-968\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 4: Charakteristisch gewellte Bl\u00e4tter, Steffen Greiner<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_969\" aria-describedby=\"caption-attachment-969\" style=\"width: 4000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-969 size-full\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schmitz_J\u00fcrgen_Abbildung5.jpg\" width=\"4000\" height=\"3000\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schmitz_J\u00fcrgen_Abbildung5.jpg 4000w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schmitz_J\u00fcrgen_Abbildung5-300x225.jpg 300w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schmitz_J\u00fcrgen_Abbildung5-768x576.jpg 768w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Schmitz_J\u00fcrgen_Abbildung5-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 4000px) 100vw, 4000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-969\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 5: Ansprechender Kontrast zwischen jungen und \u00e4lteren Halmen. Foto J\u00fcrgen Schmitz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Literatur:<\/p>\n<ol>\n<li>Zhengyi, W., P.H. Raven, and H. Deyuan(editors), <em>Flora of China.<\/em> 2006. <strong>22<\/strong>(Poaceae).<\/li>\n<li>Taylor, A.H., et al., <em>Regeneration patterns and tree species coexistence in old-growth Abies\u2013Picea forests in southwestern China.<\/em> Forest Ecology and Management, 2006. <strong>223<\/strong>: p. 303-317.<\/li>\n<li>Huang, H., <em>Preliminary Study on Natural Regeneration of Fargesia denudata.<\/em> Journal of Bamboo Research, 1994. <strong>2<\/strong>.<\/li>\n<li>Shi, X.-y. and G.-h. Song, <em>A Mathematical Model with Pulse Effect for Three Populations of the Giant Panda and Two Kinds of Bamboo.<\/em> The Scientific World Journal, 2013. <strong>2013<\/strong>.<\/li>\n<li>Yi, T.P., <em>Fargesia denudata.<\/em> Journal of Bamboo Research, 1985. <strong>4<\/strong>(1): p. 20.<\/li>\n<li>Demoly, J.-P., <em>Thamnocalamus denudatus (T.P.Yi).<\/em> Bambou, 1995. <strong>21<\/strong>(15).<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Steffen Greiner Mit Fargesia denudata wurde von den Mitgliedern der EBS-D ein gut wintergr\u00fcner, horstig wachsender Bambus zum Bambus des Jahres gew\u00e4hlt, dem aufgrund seiner positiven Eigenschaften sicher ein gr\u00f6\u00dferer Bekanntheitsgrad zustehen w\u00fcrde. Fargesia denudata kommt im s\u00fcdlichen Gansu und n\u00f6rdlichen Sichuan, China, auf 1900 bis 3200 m vor [1]. 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