{"id":981,"date":"2017-01-17T18:45:27","date_gmt":"2017-01-17T17:45:27","guid":{"rendered":"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/?page_id=981"},"modified":"2019-05-27T15:58:03","modified_gmt":"2019-05-27T13:58:03","slug":"fargesia-demissa-gerry-bambus-des-jahres-2014","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bambus-deutschland.de\/index.php\/beispiel-seite\/bambus-des-jahres\/bambus-des-jahres-portraits\/fargesia-demissa-gerry-bambus-des-jahres-2014\/","title":{"rendered":"Fargesia demissa \u2018Gerry\u2019, Bambus des Jahres 2014"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dr. Steffen Greiner<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem seit 2008 nur noch Phyllostachys gew\u00e4hlt wurden, wurde mit <strong><em>Fargesia demissa<\/em> \u2018Gerry\u2019<\/strong> nun endlich einmal wieder ein horstig wachsender Bambus zum Bambus des Jahres gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Zur Herkunft: die Pflanze auf der die sp\u00e4tere Artbeschreibung beruht wurde im September 1979 in China, Provinz Gansu, in der N\u00e4he der Stadt Lanzhou auf 2050 m von Tong Pei Yi gesammelt. Fast 10 Jahre sp\u00e4ter wurde dann <em>Fargesia demissa<\/em> als neue Art beschrieben [<a href=\"#_ENREF_1\">1<\/a>]. Allerdings ist bis heute strittig, ob es sich tats\u00e4chlich um eine neue Art handelt. So wird in der in der Flora of China [<a href=\"#_ENREF_2\">2<\/a>] <em>Fargesia demissa<\/em> schlicht als kleinere Form von <em>Fargesia nitida<\/em> angesehen. Ungeachtet dessen und da es auch deutliche Unterschiede zu <em>Fargesia nitida<\/em> gibt (dickere Halme bei geringerer H\u00f6he, l\u00e4ngere Rhizomh\u00e4lse und andersartige Halmscheiden), m\u00f6chte ich hier zumindest f\u00fcr den gartenbaulichen Gebrauch den Artnamen <strong>\u2018<\/strong>demissa<strong>\u2019<\/strong> verwenden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_985\" aria-describedby=\"caption-attachment-985\" style=\"width: 3000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-985\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000681_abb1.jpg\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"4000\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000681_abb1.jpg 3000w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000681_abb1-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000681_abb1-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 3000px) 100vw, 3000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-985\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Typischer Austrieb von Fargesia demissa &#8218;Gerry\u2018. Die Neuen Halme bleiben wie h\u00e4ufig bei Fargesia nitida auch bis zum Winter ohne Seitenzweige. Foto Steffen Greiner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Neben der durch die Mitglieder der EBS-D gew\u00e4hlten und hier beschriebenen <em>Fargesia demissa<\/em> <strong>\u2018<\/strong>Gerry<strong>\u2019<\/strong>, wurden 2004 noch 8 weitere <em>Demissa-Klone<\/em> \u00fcber das Forest Department von Lanzhou nach Europa eingef\u00fchrt: Demissa &#8218;A&#8216;, &#8218;B&#8216; (&#8218;Bernhard&#8216;), &#8218;C&#8216;, &#8218;D&#8216;, &#8218;E&#8216;, &#8218;F&#8216; (alle durch Jos van der Palen), sowie Demissa &#8218;Lanzhou 1&#8216; und &#8218;Lanzhou 2&#8216; (die letzteren durch Fred Vaupel).<\/p>\n<p>Noch sind die Erfahrungen zu allen <em>Demissa-Klonen<\/em> relativ jung und es gibt kaum ausgewachsene Pflanzen, so dass die hier gemachten Angaben teilweise als vorl\u00e4ufig zu betrachten sind.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Namensgebung ist ein wenig kurios. Der Name <strong>\u2018<\/strong>Gerry<strong>\u2019<\/strong> wurde eigentlich durch den Bambusz\u00fcchter Hans Verwey, der auch die neuen Hybriden aus <em>Fargesia nitida<\/em> und <em>Fargesia murielae<\/em> selektiert hat, vergeben. Bei Jos van der Palen hatten 7 verschiedene Klone von <em>Fargesia demissa<\/em> die Einfuhr \u00fcberlebt, die er <strong>\u2018<\/strong>A\u2018, <strong>\u2018<\/strong>B\u2018, <strong>\u2018<\/strong>C\u2018, <strong>\u2018<\/strong>D\u2018, <strong>\u2018<\/strong>E\u2018, <strong>\u2018<\/strong>F\u2018 und <strong>\u2018<\/strong>G\u2018 genannt hatte.<\/p>\n<p>Hans Verwey wollte davon eine Pflanze aussuchen und konnte sich nicht zwischen <strong>\u2018<\/strong>B\u2018 und <strong>\u2018<\/strong>G\u2018 entscheiden. Jos van der Palens Frau Gerry war damals auch dabei und Hans Verwey sagte: ich w\u00e4hle <strong>\u2018<\/strong>G\u2018 und nenne diese <strong>\u2018<\/strong>Gerry<strong>\u2019<\/strong>. Im Jahr darauf tauchte dieser Name tats\u00e4chlich in seinem Katalog auf und Jos van der Palen hat diesen Namen dann auch \u00fcbernommen <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt kommt <em>Fargesia demissa<\/em> aus der N\u00e4he der Stadt Lanzhou etwa auf 36\u00b0 N und damit vom n\u00f6rdlichen Rand des Verbreitungsgebietes der Gattung <em>Fargesia<\/em>. Das ist zwar etwa auf dem Breitengrad Siziliens, aber aufgrund der H\u00f6henlage und des kontinentalen Klimaeinflusses absolut nicht zu vergleichen. Die mittleren Tagesminima am Sammelort d\u00fcrften im Januar etwa -15\u00b0C betragen und zudem f\u00e4llt im Winter dort fast kein Niederschlag. Dieses im Winter trockenkalte Klima l\u00e4sst eine Winterh\u00e4rte \u00e4hnlich <em>Fargesia nitida<\/em> vermuten, welche oft mit etwa -28\u00b0C angegeben wird. Dementsprechend gab es bisher praktisch keine Berichte \u00fcber Wintersch\u00e4den in unserem Klima.<\/p>\n<figure id=\"attachment_987\" aria-describedby=\"caption-attachment-987\" style=\"width: 2736px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-987\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_3780_abb2.jpg\" alt=\"\" width=\"2736\" height=\"3648\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_3780_abb2.jpg 2736w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_3780_abb2-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_3780_abb2-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 2736px) 100vw, 2736px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-987\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Sorgf\u00e4ltig ausgelichteter Solit\u00e4r, die recht gro\u00dfen Halmabst\u00e4nde sind deutlich zu erkennen. Foto Jos van der Palen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Pflanze hat einen aufrechten Wuchs, nur d\u00fcnne mehrj\u00e4hrige Halme k\u00f6nnen auch etwas \u00fcberh\u00e4ngend sein. Der Halmabstand ist im Vergleich zu <em>Fargesia nitida<\/em> mit bis 15 cm relativ gro\u00df (Abbildung 2). Die Endh\u00f6he wird vermutlich meist zwischen 2 und 3 Meter liegen. Allerdings erreichte die gr\u00f6\u00dfte Pflanze eines EBS-Mitglieds im vergangenen Jahr bereits 3,3 m, daher sind unter bestimmten Standortbedingungen oder im Alter vielleicht auch H\u00f6hen bis 4 m denkbar. Die Halmst\u00e4rke kann bis 1,5 cm betragen. Die Halme sind zun\u00e4chst bl\u00e4ulich\/lila\/schwarz gef\u00e4rbt und etwas weiss bemehlt. Die L\u00e4nge der Internodien betr\u00e4gt 11 &#8211; 20 cm. Der Austrieb erfolgt verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sp\u00e4t im Juni (Abbildung 1) und die neuen Halme gehen ohne Seitenzeige in den Winter. Erst im Mai des folgenden Jahres bilden diese Halme Seitenzweige (Abbildung 5). Die Halmscheiden sind relativ langlebig, violett oder violett-braun, dreieckig-elliptisch, gew\u00f6hnlich k\u00fcrzer als die Internodien und sp\u00e4rlich wei\u00df-grau borstig behaart. Die Knoten \u2013 v.a. die Narben der Halmscheiden \u2013 sind auffallend und sehr charakteristisch (Abbildung 4).<\/p>\n<figure id=\"attachment_988\" aria-describedby=\"caption-attachment-988\" style=\"width: 1704px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-988\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2171_abb3.jpg\" alt=\"\" width=\"1704\" height=\"2272\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2171_abb3.jpg 1704w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2171_abb3-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2171_abb3-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1704px) 100vw, 1704px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-988\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: Im Herbst entledigt sich &#8218;Gerry\u2018 \u2013 etwas untypisch f\u00fcr die sonst immergr\u00fcnen Fargesien \u2013 eines Gro\u00dfteils ihrer Bl\u00e4tter. Foto Jos van der Palen<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_989\" aria-describedby=\"caption-attachment-989\" style=\"width: 3000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-989\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000659_abb4_rechts.jpg\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"4000\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000659_abb4_rechts.jpg 3000w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000659_abb4_rechts-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/L1000659_abb4_rechts-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 3000px) 100vw, 3000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-989\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 4: Typische Knoten von Fargesia demissa &#8218;Gerry\u2018. Fotos Steffen Greiner<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_990\" aria-describedby=\"caption-attachment-990\" style=\"width: 1200px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-990 size-full\" src=\"https:\/\/ebs-d-de.prossl.de\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_0929_abb5.jpg\" width=\"1200\" height=\"1600\" srcset=\"https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_0929_abb5.jpg 1200w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_0929_abb5-225x300.jpg 225w, https:\/\/bambus-deutschland.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_0929_abb5-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-990\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 5: Erst im Mai des folgenden Jahres bilden diese Halme Seitenzweige. Fotos Steffen Greiner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Pflanze besitzt kleine aber verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig breite Bl\u00e4tter und verliert im Herbst meist etwa 80% ihrer Bl\u00e4tter (vergleiche auch Abbildung 3). Die verbleibenden Bl\u00e4tter k\u00f6nnen in Dauerfrostperioden anhaltend eingerollt sein. So kann im Winter ein blattloser Eindruck entstehen. Die Pflanze bildet im Fr\u00fchjahr sehr fr\u00fch (M\u00e4rz) neue frischgr\u00fcne Bl\u00e4tter, so dass in Kombination mit den schwarzen Halmen ein unschlagbarer Kontrast entsteht.<\/p>\n<p>Der Standort sollte wie bei den meisten Fargesien eher halbschattig bis schattig sein, allerdings werden auch sonnige Standorte erstaunlich gut vertragen. Bei starker Sonne oder im Winter ist die Neigung zum Blattrollen erh\u00f6ht, ein sicher sinnvoller Schutzmechanismus, wenn man die Bedingungen am Naturstandort im Betracht zieht (s.o.). Auffallend ist auch, dass an eher sonnigem Standort die Seitenzweige deutlich k\u00fcrzer zu bleiben scheinen als an schattigen Standorten. Wegen der herausragenden Winterh\u00e4rte k\u00f6nnte \u201aDemissa\u2018 gut zur Topfkultur im Au\u00dfenbereich geeignet sein, hier werden sicher in den n\u00e4chsten Jahren noch Erfahrungen gesammelt werden.<\/p>\n<p>Aufgrund der geringen Bebl\u00e4tterung im Winter ist die Pflanze f\u00fcr Hecken und als Sichtschutz wohl eher ungeeignet. Als Solit\u00e4r ist dieser Bambus aber im Fr\u00fchjahr und Sommer unschlagbar sch\u00f6n, vielleicht f\u00fcr manche der Sch\u00f6nste im Garten!<\/p>\n<p>Nachdem <em>Fargesia demissa<\/em> <strong>\u2018<\/strong>Gerry<strong>\u2019<\/strong> noch nicht einmal 10 Jahre in Europa ist, d\u00fcrfte klar sein, dass die Pflanze noch nicht \u00fcberall verf\u00fcgbar ist. Sicher ist es aber einige Anstrengungen wert, diese sehr au\u00dfergew\u00f6hnliche Fargesie f\u00fcr den eigenen Garten zu erwerben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jos van der Palen, pers\u00f6nliche Mitteilung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Steffen Greiner Nachdem seit 2008 nur noch Phyllostachys gew\u00e4hlt wurden, wurde mit Fargesia demissa \u2018Gerry\u2019 nun endlich einmal wieder ein horstig wachsender Bambus zum Bambus des Jahres gew\u00e4hlt. 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